Unser Start in das Leben zu Viert


Ein Jahr, gefüllt mit den verschiedensten und intensivsten Emotionen liegt hinter uns. Letztes Jahr nach der Geburt unserer zweiten Tochter haben mich so viele nach der Geburt gefragt, aber ich bin bis jetzt noch nicht dazu gekommen, einen Geburtsbericht abzutippen. Deswegen habe ich gestern Abend, einen Tag vor ihrem ersten Geburtstag, dieses unvergessliche Erlebnis noch ein mal Revue passieren lassen und für euch in einer gekürzten Version zusammengefasst. Viel Spaß beim Lesen.

Vor einem Jahr stand ich jetzt um diese Zeit, zu der ich heute diese Worte schreibe, im Badezimmer und habe abgewartet, ob die Wehen, die ich seit einigen Stunden spürte, den Startschuss für die Geburt geben würden, oder ob ich mich nochmal ins Bett legen sollte. Der errechnete Geburtstermin lag schon fünf Tage zurück, aber mir ging es gut und ich war überraschend gelassen. Während mein Mann und die große Tochter im Bett lagen und schlummerten, hielt ich es im Liegen schon nicht mehr so gut aus und warnte meine Hebamme schon mal vor, dass es diese Nacht eventuell losgehen könnte, denn wir hatten uns für das Geburtshaus als Ort entschieden, an dem unser zweites Wunder auf die Welt kommen sollte.

Meine Hebamme hatte mich vorgewarnt, ich solle mir nicht zu viel Zeit lassen, denn „Die zweiten sind die schnellsten“ und bis zum Geburtshaus mussten wir ein Stück weit fahren. Die Wehen wurden spürbarer, ich musste mich konzentrieren, aber konnte sie gut ertragen. Im Telefonat mit meiner Hebamme entschied ich trotzdem, dass wir uns jetzt auf den Weg machen würden. Die Vorfreude stieg, es ging los. Ich weckte meinen Mann und die werdende große Schwester wachte ebenfalls auf. Zu dritt stiegen wir ins Auto und machten uns auf in Richtung Geburtshaus.

Endlich geht es los

Die Autofahrt war sehr entspannt, wir lachten, ich schrieb noch Freunden und Familie, dass wir unterwegs waren. Die Große war gut gelaunt und so kamen wir gegen 0:30 Uhr im Geburtshaus an. Während der Wehen musste ich mich schon gut konzentrieren, aber ich konnte in den Pausen gut Kraft tanken und war insgesamt noch sehr entspannt. Wir richteten uns im Geburtshaus ein, mein Mann bezog das Bett und unsere Hebamme zündete Kerzen an. Die Große war ziemlich aufgedreht, kannte die Umgebung und Hebamme durch die Vorsorgetermine, zu denen ich sie zuletzt immer mitgenommen hatte aber schon gut und fühlte sich ebenfalls sichtlich wohl.

Mit der Zeit wurde sie aber müde und wollte mit mir kuscheln, was während der Wehen für mich sehr unangenehm war, da ich mich voll darauf konzentrieren musste. Mein Mann legte sich deswegen mit ihr in das große Bett, wo beide auch recht schnell einschliefen. Ich merkte langsam, dass es körperlich anstrengender wurde. Ich musste an die erste Geburt denken. Damals, vor knapp drei Jahren, fing es ebenfalls in der Nacht an und ich hatte letztendlich keine Kraft mehr gehabt. Und das war auch die einzige Sache, vor der ich dieses Mal Angst hatte: Keine Kraft mehr zu haben durch fehlenden Schlaf. Ich merkte, dass mein Körper begann, unkontrollierbar zu zittern und sagte meiner Hebamme, dass ich nun gerne in die Wanne gehen würde.

Die Wärme des Wassers war perfekt

Das war genau die richtige Entscheidung gewesen. Im warmen Wasser konnte ich mich entspannen und mich ganz auf das Einlassen, was mein Körper da gerade leistete. Die Atmosphäre in dem kleinen Raum war wunderbar, ein gedimmtes Licht, das Wasser und sonst nur die Hebamme und ich. Während der Wehen tauchte ich mit den Gedanken komplett ab, während der Wehenpausen unterhielten wir uns oder nickten beide auch mal kurz ein. Die Zeit verging, wie durch einen Filter bekam ich mit, dass wieder eine Viertelstunde vergangen sein musste, wenn die Kirchenglocken in der Nähe wieder läuteten.

Die Müdigkeit machte sich breit und die Kraft ließ wieder nach. Meine Hebamme bot mir ein Stück Traubenzucker an, genau das, was ich gebraucht hatte. Auch sonst schaffte sie es, mich genau so zu begleiten, wie ich es brauchte. Sie war da, aber im Hintergrund. Sagte kurze, bestärkende Sätze. Riet mir ab und zu, die Position zu wechseln, damit die kleine Maus, die es wohl noch ziemlich gemütlich im Bauch fand, etwas Unterstützung bekam. Zwischendurch hatte meine Hebamme immer wieder die Herztöne kontrolliert, die immer sehr gut waren.

Mit Hilfe der Schwerkraft in die letzte Phase der Geburt

Und endlich: gerade hatte ich mich in der Wanne hingestellt, machte es endlich „Platsch“ und de Fruchtblase war geplatzt. Was für eine Erleichterung. Meine erste Geburt hatte mit einem Blasensprung begonnen und dieses Mal war es tatsächlich ganz anders gewesen. Aber: Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch kein einziges Mal gedacht „Ich kann nicht mehr“ und konnte die Wehen wirklich gut ertragen. Der Blasensprung jetzt gab mir nochmal neue Kraft und Motivation.  Denn er bedeutete: Jetzt ging es in die finale Phase.

Meine Hebamme gab ihrer Kollegin bescheid, die bei der Geburt dabei sein sollte und weckte meinen Mann, der im Nebenzimmer noch bei der Großen geschlafen hatte. Und dann ging es los. Die Presswehen waren wirklich der unangenehmste Teil der Geburt, aber ich wusste, dass sie zeitlich begrenzt waren und dass ich bald mein zweites Baby im Arm halten würde. Und so war es dann: Um 06:24 Uhr wurde unsere zweite Tochter in der Wanne geboren.

Ich merkte relativ schnell, dass das Wasser für mich nicht mehr angenehm war und ich aus der Wanne wollte. Ich konnte ohne Probleme aufstehen und ging mit der neugeborenen Tochter rüber in das große Bett, in dem jetzt die Große aufgewacht war. Kurz war sie – verständlicherweise – sehr verwirrt. Aber wir überreichten ihr das Geschenk, dass ihre kleine Schwester für sie mitgebracht hatte (Knete, die wir vorher besorgt hatten) und die Welt war wieder in Ordnung. Ich kuschelte mich mit der Kleinen ins Bett, die gleich stillen wollte und der Papa holte mit der Großen Frühstück beim Bäcker. Im Geburtshaus machten die Hebammen dann die U1: 3380 gr und 52 cm und alles in bester Ordnung. Gegen 9:30 Uhr waren wir dann auch schon wieder zuhause und unser wunderbarer Weg als vierköpfige Familie begann.

Ich bin unendlich dankbar für diese Erfahrung, die auch im Rückblick nichts von ihrem Zauber verloren hat. Ich bin stolz auf diese Geburt, die ich als wunderschön und schmerzarm in Erinnerung behalte. Sie war perfekt für mich, für uns. Nicht zu schnell, nicht zu lange. Ich möchte jeder werdenden Mama Mut machen: Sucht euch eine Hebamme, mit der ihr euch versteht. Entscheidet euch für den Geburtsort, der zu euch passt. Informiert euch. Mir hat z.B. Hypnobirthing sehr gut geholfen. Und da ich weiß, dass aufgrund der momentanen Situation in der Geburtshilfe nicht jeder diese Möglichkeiten habt: Unterstützt unsere Hebammen und gebt ihnen eure Stimme, z.B. hier.

Alles Liebe von einer heute etwas sentimentalen Farina

 

 

farina
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