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Chaos in meinem Kopf. Riesen großes Chaos und vielleicht hilft das Schreiben ein wenig – ich weiß es nicht.
Es ist Samstag, der erste Oktober. Wieder ein neuer Monat. Ich sitze im verregneten Leipzig und warte auf meinen Zug. Mein Rücken schmerzt mal wieder fürchterlich, mein Hals tut weh – die Nase war in der Nacht schon zu. Ich brüte eine gewaltige Erkältung aus und mein Körper und Kopf kämpfen gegen sie an. Krank werden geht jetzt einfach nicht.

 

Ein neuer Monat, das letzte Quartal des Jahres und ich sitze hier und frage mich, warum bin ich da wo ich bin? Hätte ich nicht viel weiter sein können? Wohin will ich? Und vor allem was? Das sind Fragen, die ich mir schon lange stelle. Die ich gebeten wurde mir zu stellen und auf die ich keine Antwort habe. Ich will alles und immer sofort. Dass das nicht funktioniert weiß mein Kopf und dennoch will ich es nicht akzeptieren. Und anstatt mit einer Sache innleinen Schritten anzufangen, mache ich nichts. Oder zu wenig, wie mir es immer scheint.

 

Was will ich überhaupt? Das ist die große Frage. Gerade heute, der Tag an dem mein Studentenausweis der FU in Berlin gültig wird. Master Islamwissenschaft. Will ich das? Ich habe gesagt ich probiere es aus, ob es passt, ob ich es zeitlich schaffe. Doch ich sehe schon jetzt, dass mir die Zeit nicht reichen wird, dass ich mich wieder massiv überfordere – aber ich will doch gerne so viel mehr lernen, Sprachen wirklich beherrschen und einen Masterabschluss haben. Aber dafür brauche ich erstmal den Bachelor. Und da rast mir die Zeit nur so davon. Ich finde keinen Anfang bei allen Arbeiten, die ich jetzt dringend schreiben muss. Bin völlig raus aus dem akademischen Schreiben und dieses unglaublich niveauvolle, wissenschaftliche Schreiben, Forschen, das war nie meine Stärke.

 

Done is better than perfect sage ich mir, aber habe dennoch den Anspruch an mich wirklich gut zu sein, schrecke permanent vor Wörtern wie „empirisch“ und „analytisch“ zurück. Möchte doch einfach nur meine Meinung, meine Ansicht dahin schreiben und schreibe dann… nichts.

 

Chaos in meinem Kopf. Das liegt nicht nur an drei Arbeiten die ich gerade zur gleichen Zeit schreibe und schreiben will. Völlig idiotisch. Chaos, das kommt auch durch alle die anderen Gedanken, all die anderen Themen die mich interessieren. Feminismus! Ich will für Trust the Girls endlich schreiben. Habe angefangen; muss, will korrigieren, anders denken und kann mich doch nicht überwinden kritisch mit mir zu sein und meine Texte zu redigieren. Blockade komplett. Auch aus Angst meine Gedanken, meine Worte kommen nicht an. Werden missverstanden. Blockade.

 

Ist das die Depression frage ich mich immer öfter. Ich weiß und spüre an meinem Körper, dass ich gerade mit aller Kraft an mich halte, um nicht in ein tiefes Loch zu stürzen wegen all dem Druck, all dem Stress, all den Aufgaben. Verursache ich die Depression selber, weil ich so viel von mir fordere? Oder könnte ich das alles leisten was ich will, nur hält mich die Depression davon ab? Ich bin da in einem totalen Teufelskreis. Beides befruchtet sich und ich sage mir nur „halt durch! noch bis November! Dann hast du alles geschafft – du schaffst alles bis dahin – und dann wird alles gut!“.

 

Aber wird es das? Wenn ich mir angucke was ich alles geplant habe. Das Studium, mein Unternehmen, politisches Engagement – Netzpolitik, Feminismus, etwas gegen den Hass tun! Hass, dieser Hass!

 

Ich bin in Leipzig weil ich vor Stipendiaten über Extremismus im Netz gesprochen habe. Über den IS, über Hatespeech. Tweets und Kommentare habe ich ihnen gezeigt. Gesehen haben sie so etwas noch nicht. Schon gar nicht selbst bekommen. Wie auch? Man bleibt in seiner Bubble. Online wie offline. Man bekommt von dem Hass in unserer Gesellschaft vielleicht über Zeitungen was mit. Aber selber? Selber sehen, selber betroffen sein von dem ganzen Hass? Das tut kaum jemand. Nach ihm Ausschau halten, auf ihn reagieren, gegen an reden – das habe ich ihnen gesagt. Sie dazu aufgefordert. Hasskommentare ignorieren ist wie wegschauen auf der Strasse. Es ist Passivrassismus. Bringt doch eh nichts sagten sie. Schweigen ist zustimmen sagte ich, und dass schweigen nichts löst und den Hass nicht weg nimmt. Verstanden haben sie es schon ein bisschen. Aber werden sie was tun? Ich bezweifle es.

 

Es ist unglaublich angenehm keine Hass-Tweets zu erhalten. Warum auch sich dem aussetzen? Es ist anstrengend, es ist zermürbend, es bringt doch zum verzweifeln. Aber noch mehr lässt mich dieses Zulassen verzweifeln. Und dass ich nicht weiß was ich tun soll. Was soll man selber tun, außer Menschen auf die Missstände in unserer Gesellschaft hinweisen? Sie aufrütteln und zum nachdenken anregen? Ich weiß nicht was die Lösung ist. Ignorieren, kurz entsetzt sein, ist es nicht. Und meine Hoffnung, dass alles wieder gut wird, dass wir uns alle wieder sicher fühlen, schwindet dahin, wenn die Elite dieser Gesellschaft nur mit den Schultern zuckt.

 

Chaos. Dieser Text ist Chaos. Und er ist nur ein kleiner Teil des riesigen Chaos in meinem Kopf. Vielleicht hilft es, es aufzuschreiben habe ich mir gedacht. Deine wöchentlichen Sunday Thoughts wolltest du schreiben, habe ich mir gedacht. Vielleicht ist es gut, dass mit diesem Text ein Punkt weniger auf meiner ToDo-Liste ist. Dass ich was geschafft habe, ein kleines Erfolgserlebnis. Chaos im Kopf aufschreiben hilft immer ein wenig, damit das Chaos weniger wird. Zumindest wird das Chaos so noch deutlicher – ich finde das hilft. Vielleicht mache ich mich heute Nachmittag daran, genau aufzuschreiben, was ich will und wieviel Zeit ich habe. Nicht, dass ich das nicht schon tausendmal gemacht habe. Aber ich werde es weiter probieren, mit Hilfe.

 

Nun muss ich aber zum Bahnhof. Zurück nach Hause, nach Berlin. Dieser wunderschönen Stadt, in der ich immer noch eine neue Bleibe suche…

 

 

WHAT I THOUGHT ABOUT

Das viele Nachdenken in der vergangenen Woche hat mich dazu bewogen, doch mal wieder öfter und regelmäßiger aufzuschreiben, was mich so bewegt. Das Thema meiner letzten Wochen und vor allem in der letzen war: was kann und will ich eigentlich erreichen und wie erreiche ich meine Ziele? Und die wichtigste Erkenntnis (etwas, das doch eigentlich jeder weiß) war: one step at a time. Meine größte Schwäche ist, dass ich immer alles auf einmal will. Und das auch noch jetzt sofort. Aber das funktioniert einfach nicht. Nach 1,5 Jahren protokollierten und erbärmlich gescheiterten Versuchen, versuche ich es jetzt doch mal mit dieser Erkenntnis.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass meine Zeit dahin rennt. Nicht meine Lebenszeit – zum Glück – sondern die, um meinen Bachelor-Abschluss E-N-D-L-I-C-H zu machen. Denn die Unis sagt nun: yallah, Madame! Vielleicht ist es also nur der enorme Druck der mich letzte Woche sagen lassen hat: das und das geht jetzt einfach nicht mehr. Ein großer Faktor war die politische Arbeit. So gerne (ok, es ist eine Hassliebe) ich es auch mache und so kurz es auch vor dem Wahlkampf ist: Es kostet viel Zeit und bringt kein Geld. Daher muss es jetzt einfach ganz weit hinten anstehen, denn Job und Studium haben da einfach eine höhere Priorität.

Und es klappt alles ganz gut. Ich motiviere mich selbst gerade enorm. Zwinge mich, und bringe Leute dazu mich zu zwingen. Ich versuche mir eine tägliche Routine anzugewöhnen, jeden Tag zur gleichen Uhrzeit aufzustehen, damit es irgendwann so eine Gewohnheit wird, dass ich gar nicht mehr drüber nachdenken muss. Ich hoffe sehr dass es klappt und bin diesmal wirklich guter Dinge. Meine größte Motivation ist glaube ich, dass ich nächsten Monat 29 werden und ich mich da frage: willst du und wolltest du so mit 29 sein? Und da kann ich antworten: Ich wollte ganz anders sein, aber dass ich jetzt so bin wie ich bin und dort bin wo ich bin, ist super. Aber da gibt es noch ganz viel, bei dem ich nicht wollte das es so ist wie es ist. Noch keinen Studienabschluss zum Beispiel. Oder so schrecklich unsportlich. Aber es ist ja bekanntlich nie zu spät, etwas zu ändern…

 

WHAT I READ

Abends die Zeit nutzen, noch etwas zu lesen – das versuche ich momentan zu tun. Vor allem um nicht kurz vorm schlafen gehen noch auf irgendeinen Screen zu gucken. Ich bin nicht so der große Fan von Belletristik. Sachbücher sind eher meins und ich habe nun endlich angefangen von Ulrike Gutrot – Warum Europa eine Republik werden muss zu lesen und bin total begeistert. Europa braucht mehr Liebe. Und mehr junge Leute, Feministen und einfach begeisterte Europäer, die sich für ein besseres Europa einsetzen. Ich bin noch ganz am Anfang, kann aber jetzt schon eine absolute Leseempfehlung aussprechen!

 

WHAT I LISTENED TO

Ich lasse mich ja gerne von den Playlisten von Spotify inspirieren und bin ein totaler Fan von deutschen Texten. Dieses Lied habe ich letzte Woche rauf und runter gehört

 

WHAT INSPIRED ME

Ich versuche mindestens einen TED Talk am Tag zu gucken. Ich liebe die Dinger einfach. Neue Ideen, Motivation, Inspiration, neue Perspektiven – großartig. In den Talk und die Speakerin habe ich mich direkt verliebt:

 

WHAT I LOVED

Unendliche Liebe, die man von Menschen entgegengebracht bekommt, die man eigentlich gar nicht kennt. Festgehalten auf Post-Its in der Wohnung.

 

INSTA PICK

Ich glaube, es ist kaum eleganter und ästhetischer seinen Körper zu präsentieren, als diese Athletinnen es tun.

@sleepinthegardn ❤️😂 „Are you not entertained?!“

Ein von Selkie Hom (@selkiehom) gepostetes Video am

Die Ereignisse nach Köln und die darauf folgende gesellschaftliche Debatte (Wenn man das überhaupt noch so nennen kann), haben mich sehr nachdenklich gemacht. Einer der Gründe, warum ich jetzt die Rubrik „Sunday Thoughts“ auf unserem Blog starten möchte.

In den letzten Monaten habe ich kaum was gebloggt – nur meine zwei sehr persönlichen Artikel. Über meine Depression und sexuelle Belästigungen die ich bisher erlebt habe. Beide Artikel sind auf wunderbare Resonanz gestoßen, und ich bin allen für Ihr Feedback dankbar und freue mich auch darüber, dass Betroffene mir schrieben. Bei letzterem Artikel kam bisher nur ein ziemlich dummer Kommentar – und den habe ich auch freigegeben. Denn ich denke, sowas muss sichtbar sein. Genauso wie die ganzen Rückmeldungen die ich auf Twitter bekommen habe. Manche davon habe ich auf Facebook veröffentlicht. Man muss natürlich nicht mit mir einer Meinung sein, aber was man sich – gerade als Frau – auf solchen Netzwerken anhören muss ist nicht ganz ohne. Und ich habe nur eine sehr, sehr kleine Reichweite. Je mehr Reichweite, desto schlimmer die Beleidigungen und Drohungen
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Interessant ist dabei, dass sie fast hauptsächlich (in meinem Fall ausschließlich) von Männern kommen. Weißen Männern, wie ich vermute. Diejenigen, die sich nun plötzlich für die Rechte der Frauen einsetzen und lauthals gegen „die Flüchtlinge“ wettern und hetzen – die natürlich zu verurteilende Straftaten in Köln begangen haben. Schlimm finde ich vor allem, dass wir erst jetzt über das Sexualstrafrecht nachdenken – und wir gar nicht, vermutlich nie – darüber reden, dass den Männern, die den Frauen das antaten, aufgrund unzureichender Gesetze vielleicht nie richtig belangt werden. Mehr dazu könnt Ihr hier nachlesen. Auch lesenswert in Bezug auf die Rechtslage ist die Kolumne „Unser Sexmob“.

Ebenso widerlich finde ich die aktuelle Debatte. Nicht nur unter den „normalen Bürgern“, sondern auch in den Nachrichtenmagazinen, Feuilletons und Kolumnen. Plötzlich wissen sie wieder alle Bescheid: über Frauen, den Islam, die Rolle der Frau im Islam, den patriarchalen Strukturen, Integration, das sexuelle Verlangen des muslimisches Mannes und natürlich der Rassenkunde. Wieder werden alle und alles über einen Kamm geschert – wir importieren uns die Frauenverachter und merken mal wieder nicht wie frauenverachtend unsere Gesellschaft selbst ist . Das soll keinesfalls relativieren, dass in anderen Ländern – und das überall auf der Welt – die Position der Frau deutlich schlechter ist als bei uns, aber wie können wir es uns heraus nehmen, so über andere zu reden, so zu urteilen, als seien wir perfekt und die idealen Vorreiter in Sachen Frauenrechte? Die wunderbare Moshtari hat einen tollen Artikel im „der Freitag“ veröffentlicht, in dem sie zeigt, wie Polemik in Debatten – vor allem auch in den Medien funktioniert. Und „Monitor“ hat mit Monika Hauser gesprochen, die davor warnt, das rechte Kräfte die Debatte übernehmen.

Was also tun? Ich möchte nicht dran verzweifeln. Und ich möchte nicht in so einer Gesellschaft leben. Nicht nur schwarz weiß denken. Erstens nicht in einer, die so empfänglich für so viel Hass ist und zweitens in einer, die mit gespaltener Zunge spricht. Irgendwas werde ich tun müssen und ich bin froh um die Gespräche mit Leuten, die das ebenso sehen.

Brüste. Ein wunderschöner Teil des weiblichen Körpers. Allerdings hat er mich gut die Hälfte meines 28-jährigen Daseins auf dieser Erde ziemlich gestresst und mir viele Probleme bereitet.

 

Die Ereignisse der Silvesternacht in Köln und die ganzen Berichte danach haben mich wie so viele andere wütend gemacht. Und ich habe überlegt: Wie oft hätte ich eigentlich schon wegen sexueller Delikte gegen mich zur Polizei gehen können? Oft. Viel zu oft und schon viel zu früh. Ich hätte es in Deutschland können, in Palästina und Ägypten. Ja, sexuelle Übergriffe gegen Frauen passieren überall. In Europa muss jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt erleben. Jede Dritte. Und ich bin eine davon.

 

Ich habe sicherlich viel verdrängt, was mir so alles passiert ist. Und ich musste überlegen, was das erste Ereignis war, an das ich mich erinnern kann. Und dann fällt es mir ein – und auch, dass ich niemals darüber sprach. Ich glaube, jetzt, hier das erste Mal. Vielleicht weil ich dachte, es ist ja nicht so schlimm?

 

Brüste. Die fingen bei mir recht früh an zu wachsen. In der vierten Klasse muss man schon gute Ansätze gesehen haben. Grund genug für einen Jungen – er war in der Klasse meiner Schwester, also zwei Stufen unter mir – lief an mir auf meinem ein paar hundert Meter langen Schulweg vorbei und grabschte mir an die Brust. Lachte und lief weg. Wohlgemerkt: Ich komme aus einer sehr behüteten Gegend. Aber ja, das war er, mein erster Übergriff.

 

In der fünften und sechsten Klasse ging es weiter: Gefühlt die ganzen zwei Jahre lang durften eine Klassenkameradin und ich, die nunmal die größten Brüste der Klasse hatten, uns anhören, dass wir Silikonbrüste hätten. Lautes Gekicher, Lachen und mit dem Finger auf uns zeigen, uns lächerlich machen – alles dabei. Aber wie geht man damit als junges Mädchen um, das damit klar kommen muss, dass sich gerade ihr Körper völlig verändert? Schweigen, das war meine und ich glaube auch ihre Lösung.

 

Siebte Klasse: Die Jungs fingen an, unsere Brüste toll zu finden. Ein normaler Ausschnitt war bei mir schon recht groß. Sie fingen an zu gucken, mir fiel es nicht weiter auf. Den anderen Mädchen schon – die fanden es wiederum nicht gut, dass die Jungs auf mein Dekolletee guckten und nicht auf sie. Mobbing war die Folge. Und natürlich auch diverse andere Gründe, die pubertierende Mädchen so haben.

 

Anzeigen? Den Lehrern was sagen? Zuhause was sagen? Kam nie ansatzweise in Frage. Es wurde ertrugen.

  1. Ein Freund der Familie ist zu einem guten Freund und einer Art Vaterersatz geworden. Er legt sich ziemlich oft zu mir ins Bett. Keiner bekommt was mit, keiner findet es komisch. Er streichelt mich überall, ich ertrage regungslos und stillschweigend. Ganz selten, wenn es mir zu viel wird, schlage ich seine Hand weg und sage, er soll es lassen. Nach mehreren Aufforderungen ließ er es dann auch endlich. Gesagt habe ich das nie. Bis ich irgendwann Jahre später auf Partys, wenn ich betrunken war, immer heulend zusammenbrach. Ich erzählte es einem guten Freund, einer Freundin. Aber erst mein damaliger Freund brachte mich dazu, es zur Anzeige zu bringen. Unter Tränen erzählte ich alles sieben Jahre später bei der Polizei.

 

Ein paar Wochen später kam die Staatsanwaltschaft. Sie sagte: Gute Frau, es ist schon zu lange her. Und: Sie hätten doch nein sagen können. Das war’s.

 

Seit meinem 18. Lebensjahr habe ich gekellnert. Mit ein paar Unterbrechungen acht Jahre lang. Die meisten Sprüche im Alltag habe ich vergessen. Nicht beachtet. Hängen geblieben ist mir ein Segel-Event, bei dem ich das Catering mitgemacht habe. Nur gut situierte Männer dort. „Du könntest zwar meine Tochter sein, aber dich würde ich schon gerne mal ficken“ – durfte ich mir von einem sichtlich stockbesoffenen Mann anhören, als ich mich neben ihm auf eine Bank setzte, um eine zu rauchen. Sprüche, die mehr als deutlich aussagten, dass der werte Herr mir gerade massiv auf die Brüste starrte, kamen mehr als einmal vor.

 

Heute gehe ich viel offener mit meinen Brüsten um. Wer mich kennt, weiß das. Und ich reagiere mit sehr viel Humor auf viele Sprüche. Kokettiere selber gerne mit mir und meiner Weiblichkeit. Warum auch nicht? Ich möchte ausdrücklich nicht, dass wir Brüste dämonisieren. Ich möchte, dass wir einander für alle möglichen Körperteile mal ein nettes ernstgemeintes Kompliment machen können. Warum auch nicht? Ich will, dass wir unsere Körper als etwas ganz Normales ansehen. Aber selbst wenn ich, auf viele Witze in Bezug auf meinen Ausschnitt, auch gerade im Dirndl, mit witzigen, blöden Sprüchen zurück antworten kann, über Vieles lachen kann – für ein „geile Titten“ aus dem sabbernden Mund eines betrunkenen Mannes, der auf mein Dekolletee starrt, habe ich auch wenig Verständnis. Noch weniger Humor. Aber: Heute sage ich was.

 

Ja, das passierte alles hier in Europa. Von Europäern.

Jede Dritte.

 

Aber ich will auch nicht totschweigen, dass es mir auch im Ausland passiert ist. Als Islamwissenschaftlerin reise ich liebend gerne in den Nahen Osten, und nichts hat mich bisher davon abgehalten, es immer wieder zu tun. Zu reich wurde ich durch die Erfahrungen und die Menschen dort beschenkt.

 

Ägypten im Sommer 2011. Ein Mann lief mir nach, ich wechselte die Straßenseite, er verfolgte mich. Ich ging schneller durch die gefüllte Straße. Es war Zuckerfest. Er ließ nicht ab, er schnippte seine Zigarette in meine Richtung, sie fiel auf meinen Fuß, ich fing lauthals an, ihn auf Deutsch anzuschreien und zu beschimpfen. Dass irgendwas sein müsste, hätte man erkennen können, auch wenn mich keiner verstand. Aber nichts passierte. Nur er folgte mir endlich nicht mehr.

 

Der Kiosk vor meiner Tür. Ein Mann stand vor der dem Kiosk, unterhielt sich mit dem Besitzer, ich stand vor der Auslage und begutachtete die unbekannten Süßigkeiten. Er ging an mir vorbei, streifte mit der Hand meinen Hintern, und ich dachte nur: Herrgott, hier ist so viel Platz, warum geht der so dicht an mir vorbei? Dass er es auf meinen Po abzielte, fiel mir erst ein, als er nochmal an mir vorbei ging und mich streifte. Ich schrie ihn laut an, er gucke verwundert, der Kiosk-Besitzer guckte verwundert, nichts passierte. Ich ging.

 

Die Behörde am Tahrir-Platz. Ich will mein Visum verlängern. Quetsche mich wie alle anderen durch die Sicherheitsschleuse und den Metalldetektor. Dass die Hand an meinem Po nicht da war, weil es einfach so eng ist, und es einfach aus Versehen passierte, wurde mir erst viel später klar.

 

Aber genauso habe ich von Männern dort unglaublich viel Respekt und Wertschätzung erfahren. Sei es die persönliche Übergabe von mir von einem Freundeskreis an den anderen, weil es in Ägypten zu gefährlich ist, mit dem Kleid, das ich zu einer Hochzeit trug, auf der Straße rumzulaufen. Einladungen von quasi Fremden in deren Ferienhaus, wo wir beiden Mädchen morgens zum Strand gefahren wurden und abends abgeholt wurden (weil Ramadan war, gingen die Jungs selber nicht hin). Einladungen zu Hochzeiten, Verlobungen, Familien. Und niemals – egal, wo wir zu zweit oder zu dritt alleine waren, auch nicht auf engstem Raum im Auto, kam einer auf die Idee, mich anzufassen oder zu belästigen.

 

Palästina 2012. Ich war in Israel, alleine, weil der Freund, den ich besuchte, nicht mit rüber durfte. Ich kam an einem Freitag zurück nach Hebron und dachte, es sei wie in Ägypten – egal ob Freitag oder ein anderer Wochentag, in der Stadt ist immer Trubel. Nein, in Hebron ist freitags alles zu, und die „Taxis“ fuhren auch nicht. Als ich in die Moschee wollte, um mir dort eine Leggings unter mein wadenlanges Kleid zu ziehen und mir mein Kopftuch anzuziehen (ja, in Hebron war es besser, bedeckt rum zu laufen – das war für mich aber nie ein Problem), sprach mich ein Mann an und fragte, was ich suche, ob er helfen könne. Sein Englisch war miserabel, mein Arabisch ebenfalls, also machte ich es wie immer in arabischen Ländern, ich rief jemanden an, der vermitteln konnte. Der Freund, bei dem ich war und in dessen Dorf ich wieder musste, schilderte dem Mann meine Problematik, der rief Freunde an, die kamen vorbei und sollten mich zum Dorf fahren. Währenddessen führte er mich noch zu einem Verschlag mit Plumpsklo, da ich mir ja immer noch was anderes anziehen wollte. Ich sah, wie er versuchte, durch den Spalt der Tür zu gucken, sich an meiner Tasche zu schaffen machen wollte, und stürmte wieder raus.

 

Die Kerle im Auto waren mir ziemlich suspekt. Und der Weg, den sie fuhren, kam mir ganz und gar nicht bekannt vor. Es wurde unheimlich, der eine versuchte meine Tasche zu öffnen, ich schimpfte, bekam sie nach hinten zu mir auf den Rücksitz, sie fragten mehrfach, ob ich Geld dabei hätte, mir wurde die ganze Sache viel zu komisch und ich hatte das erste Mal wirklich Angst in meinem Leben. Ich schrie „Stopp!“, sie hielten an, ich packte meine Tasche und stürmte aus dem Auto. Rannte zu einem kleinen Laden, völlig aufgelöst. Ganz viele junge Männer und Kinder kamen sofort auf mich zu, waren überfordert mit mir. Eine junge Europäerin stürmt aus einem Auto und steht da nun heulend und zitternd vor ihnen. Sie holten einen alten Mann aus dem Laden, der sprach Englisch. Sie beruhigten mich, und man merkte, wie gerne mich einige in den Arm nehmen und trösten wollten, aber niemand tat es, weil es sich dort nicht gehört. Der Mann rief bei meinem Freund an, fragte, wo ich hin muss, und fuhr mich dann zum Checkpoint, wo ich erwartet wurde.

 

Es stellte sich raus, dass die Jungs aus dem Auto den richtigen, nur einen anderen Weg fuhren. Oder ich erkannte die Stadt so leer einfach nicht. Ich hatte Angst, angefasst oder bedroht haben sie mich nie.

 

Warum ich das alles schreibe? Weil ich ebenso wie beim Thema Depression finde, dass das raus muss. Dass uns allen klar werden muss, dass es überall passiert. Auch unter uns. In jeder Kultur, in jeder Religion, in jeder Nation. Zu viele Freundinnen von mir sind Opfer sexueller Übergriffe. Über „Kleinigkeiten“ reden auch wir kaum, das nimmt man als Frau irgendwie hin. Und das ist ganz schlecht. Wir müssen alle darüber reden, nie aufhören und zeigen, dass wir alle ein Problem haben.

 

Damit Farinas kleine Maus so etwas nie erleben muss. Damit keine Frau so etwas je erleben muss.

 

Wir wünschen euch von Herzen besinnliche Weihnachtsfeiertage, ob ihr es feiert oder ob ihr die freie Zeit einfach mit euren Familien verbringt. Habt Freude, gebt Freude und genießt die kleinen Momente <3

Bei der Gelegenheit wollen wir uns auch noch einmal für all eure Unterstützung, liebe Kommentare und Likes bedanken, ohne euch würde dieser Blog nicht bestehen.

Wir freuen uns auf das nächste Jahr mit euch!

Ann Cathrin & Farina

Der vierte Advent steht vor der Tür, einige von uns haben noch ein paar Arbeitstage vor sich, andere fallen jetzt in den typischen Vorweihnachtsstress: Von „Ich wollte doch noch backen„, „Ich brauch noch ein Geschenk für XY“ über „Der Weihnachtsbaum steht noch nicht“ bis hin zu „Ahh, was machen wir eigentlich an Silvester?“ … zu tun gibt es immer, dabei wünscht man doch jedem eine besinnliche (Vor-)Weihnachtszeit. Warum setzt man diese nicht auch für sich selbst in die Tat um?
Ich persönlich bin ja in der glücklichen Situation, dass ich die Feiertage als Familienzeit genießen kann, ohne viele Verpflichtungen a la „Erst zu meiner Familie, dann zu seiner“ oder mir womöglich noch Gedanken zu einem Weihnachtsoutfit machen zu müssen. Trotzdem lasse auch ich mich von dem Trubel oft einholen. Damit das nicht passiert, habe ich hier ein paar schöne Tipps, um einfach mal Luft zu holen und dem Wort „besinnlich“ seine wahre Bedeutung zukommen zu lassen.

  • Geh Raus! Lass das Chaos, dein Handy und die Verpflichtungen zu Hause und für ein paar Stunden hinter dir, schnapp dir eine Freundin/deinen Partner/deine Kinder oder alle zusammen und geh an die frische Luft. Auch wenn das Wetter momentan wieder ziemlich mild und damit so gar nicht weihnachtlich ist, wird dir dieser Spaziergang gut tun. Geh am besten nicht auf einen der überfüllten Weihnachtsmärkte, sondern lieber raus, aufs Feld oder noch besser: in den Wald. Wenig Menschen, wenig Lärm. Ruhe, gute Luft. Besinnlichkeit. Ich habe ganz tolle Erinnerungen an die Weihnachtsspaziergänge meiner Kindheit, die immer etwas Magisches an sich hatten.
  • Nimm Dir Zeit für Dich! Schieb mal alle „Ich müsste noch“s zur Seite, setz dich an deinen Lieblingsort und nimm das Buch in die Hand, welches zu schon lange zuende lesen wolltest. Oder nehme ein Bad, gönn deiner Haut eine tolle Gesichtsmaske. Mach es dir mit einem leckeren Getränk gemütlich und genieß die Schokolade oder Kekse, die Du schon lange für einen besonderen und gemütlichen Moment aufbewahrst. Kurz: Mach das, was dich entspannt und wofür du dir schon lange keine Zeit mehr genommen hast. Jetzt ist die Zeit dafür.
  • Besuche jemanden, den Du lang nicht mehr gesehen hast! Die Feiertage sollen Zeit zum Luftholen geben. Stunden, in denen man nicht auf die Uhr schaut, sondern in denen diese keine Rolle spielt. In denen man sich in Gesprächen, Erinnerungen und Annekdoten verliert. Ob mit der besten Freundin, die viel zu weit weg wohnt und die man deswegen einfach zu wenig sieht oder mit Verwandten, für die man sich im Alltagstrubel keine Zeit nimmt, mit denen man Treffen immer wieder verschiebt. Mit Menschen, die einem nahe sind, wird es so sein, als wäre man nie weg gewesen.
  • Verbringe einen offline Abend! Mir geht es oft so: Abends gucken wir noch eine Folge unserer Serie (momentan ist es Once Upon a Time), aber statt sich voll und ganz auf die Handlung zu konzentrieren, schreibt man nebenbei auf Whatsapp mit Freunden, stöbert auf Instagram und kann das Smartphone nicht aus der Hand legen. Ich habe davon gerade zwecks Reparatur eine „Zwangspause“ und merke, wie gut es mir tut, mich mal wieder nur auf eine Sache auf einmal zu konzentrieren. Verbannt über die Feiertage einfach mal euer Handy, schaut einen Film, ohne euch von hereinkommenden Nachrichten ablenken zu lassen oder seid einfach mit eurer ganzen Aufmerksamkeit für eure Lieben da.
  • Sei dankbar! Besinnlich bedeutet für mich auch, nachzudenken, zu reflektieren. Und gerade in der heutigen Zeit gibt es viel, für das wir dankbar sein können. Die Kleinigkeiten, all das, was im schnellen Alltag untergeht und das wir aus den Augen verlieren. Wertschätzung für die lieben Menschen die wir haben. Für die schönen Momente im letzten Jahr. Auch für die schwierigen Momente, die uns gezeigt haben, was uns wirklich wichtig ist und uns dieses umso stärker zu schätzen gelehrt haben. Dafür, dass wir nicht vor Krieg fliehen müssen. Dankbarkeit dafür, dass wir uns mit Dingen wie Feiertagen, Geschenken und Weihnachtsdeko beschäftigen dürfen.

Was macht ihr, um entspannt durch die Feiertage zu gehen?

Alles Liebe,
Farina

Du liegst da wie ein Stein. Regungslos. Nichts geht mehr. Du willst schreien. Weinen. Aber es passiert… Nichts. Leere, Schmerz. Das ist alles was du fühlst. Aber ansonsten… Nichts. Das ist meine Depression.

Gucke ich mir heute Fotos von früher an sehe ich diese Leere in meinen Augen. Spüre diese Leere aus so vielen Momenten wieder, erinnere mich an sie. Aber heute kann ich sie zuordnen, sie verstehen. Oder eben auch nicht. Depressionen verstehen, sich selber oder anderen erklären warum man sich gerade so fühlt ist schwer, wenn nicht gar unmöglich. Es ist einfach so. Das zu akzeptieren ist schwierig. Für sich selber und noch mehr für andere.

Vor über einem Jahr hat man bei mir eine mittelschwere bis schwere Depression diagnostiziert. Eine Erlösung. Und eigentlich wollte ich schon viel länger darüber schreiben, denn ich bin der festen Überzeugung, dass Aufklärung wichtig ist. Für Betroffene und Angehörige. Aber ich finde erst jetzt die Worte, vielleicht weil gerade wieder eine depressive kurze Episode zu Ende geht.

Als ich mich am 4. August letzten Jahres selber in die Psychiatrie einwies gab es für mich keinen anderen Weg mehr. Eine innere Stimme leitete mich dorthin, nachdem ich den Vormittag über mehrfach zusammen gebrochen bin. Der Höhepunkt nach immer häufigeren Hochs und Tiefs in den Monaten zuvor. Ich dachte einfach, dass ich ein Burnout hätte. Arbeit, Studium… das war alles ein bisschen viel. Und sicher trug auch alles seinen Teil dazu bei. Aber nach ersten Gesprächen mit meinen Ärzten dort und der Diagnose wurde mir schlagartig klar, dass ich eigentlich schon seit 10 Jahren an dieser Krankheit litt.

Warum und wieso jemand Depressionen bekommt, das weiß man nicht. Auch ich weiß es nicht. Es gab vieles, was sie begünstigte und in vielen Fällen ist diese Krankheit auch vererbbar. Aber sie ist da und ich konnte es immer überspielen und selber gar nicht wahrnehmen. Jeder, dem ich während der sechs Wochen in der Klinik erzählte wo ich gerade bin, dachte ich verarsche ihn. Niemand dachte, dass ich so fröhliches Mädchen Depressionen haben könnte. Aber wie sollte es auch jemand sehen? Hatte oder habe ich eine depressive Phase dann blieb ich einfach liegen. Man kann sich gar nicht vorstellen wie es ist, tagelang ans Bett gefesselt zu sein und nicht aufstehen zu können, obwohl der Körper doch mechanisch intakt war. Das schlimmste bei mir ist jedes Mal gewesen, dass mein Kopf nur vor Ideen, Visionen, ja Tatendrang sprühte. Aber der schwere Körper, der sich wie ein Fels einfach nicht bewegen lassen wollte, hielt mich ab. Meist schaffe ich es dann doch, irgendwann aufzustehen. Mich hinzusetzen, an meinen PC mit dem festen Glauben, dass mein Kopf nun über meinen Körper siegte. Doch dann: Leere. Schreckliche Leere, die einen urplötzlich nicht mehr denken lässt. Gar nichts mehr machen lässt. Nur noch starren. Den Kopf auf den Tisch legen. Manchmal eine Träne die Wange runter kullern lassen. Aber eigentlich nur Leere und keine Kraft mehr wirklich weiter zu existieren. Froh, überhaupt noch Kraft zum Atmen zu haben. Und dabei irgendwie der Außenwelt zeigen, dass alles ok ist. Alle weiter in dem Glauben lassen, dass das Bild von der jungen, starken, ambitionierten jungen Frau, das sie haben, wahr ist.

Und es ist auch wahr. Es ist aber eben nur das halbe Bild.

Ob die Depressionen jemals verschwinden weiß ich nicht. Aber die Erkenntnis, dass sie da sind, war ein Segen. Mich plötzlich selber verstehen können, mich und mein Verhalten auch rückwirkend verstehen können, das ist eine Befreiung. Für mich und auch für meine Freunde. Denn sie wissen heute was mit mir los ist. Wissen meine stummen Hilferufe zu deuten und sind dann einfach da. Und das ist bei Depressionen und vor allem bei mir, das einzige was neben der professionellen Hilfe und Medikamenten wirklich hilft. Menschen, die mich kennen und einfach sagen: ich bin da für dich. Denn meist gibt es gar keinen Grund für eine depressive Episode. Sie ist einfach da. Es ist kein Unglücklichsein, kein negatives Ereignis. Das ist das heimtückische: Sie ist einfach plötzlich da.

Manchmal gibt es natürlich auch Gründe. Mein Umzug nach Berlin Anfang Oktober war der letzte. Ein Entschluss, der richtig war. Ich freute mich auf den Umzug und bereue es bis heute auf keinen Fall. Aber das Ende der Tübinger Zeit nach sechs Jahren, eine Zeit die mich sehr prägte und der Beginn von etwas ganz neuem, ganz allein in einer anderen Stadt, nicht wirklich nah, weder an Tübingen, noch an Hamburg, das kostet emotionale Kraft. Sehr viel Kraft. Und da macht dann der Körper wieder nicht mit. Aber heute zu wissen, was der Grund für meine körperlichen Reaktionen und meine Gedanken ist, ist ein Segen. Ich weiß jetzt, dass es meine Krankheit ist. Und ich weiß auch, dass es wieder vorbei geht. Dass ich mir Zeit geben muss und ich weiß, wie ich mir selber helfen kann. Und ich habe Menschen um mich herum die mir helfen. Offen zu sein und sich selber verstehen lernen sind für mich das Wichtigste im Umgang mit meiner Depression. Und der gute Start in Berlin, und die Herzlichkeit, die ich bei meinen beiden kurzen Besuchen im Oktober und jetzt gerade in Tübingen, meiner Herzheimat, erfahre, geben mir ganz viel Kraft. In der Hoffnung, dass der Kopf voller Ideen und Visionen in Zukunft viel viel häufiger über meinen Körper siegt.

Das letzte Jahr, das Jahr nach der Diagnose war mit eines der schönsten Jahre meines Lebens. Und ich bin schrecklich dankbar um die Menschen, die mich in diesem Jahr begleitet haben und immer für mich da waren. Ich danke Euch aus tiefstem Herzen.

Es geht mir gut. Das Leben, es ist wunderbar.

Die ersten drei Wochen der #100happydays sind rum und es waren sehr schöne Wochen – auch wenn mich der (wie sich herausstellte nur kurzweilige) Abschied aus Tübingen doch sehr schmerzte. Ich werde nun noch eine Weile im Norden sein und dann für neue Projekte nach Tübingen zurückkehren.
Aber nun zurück zur Challenge: Ich sagte schon, dass ich eigentlich ein sehr positiver und fröhlicher Mensch bin, daher war es auch gar nicht so schwer täglich etwas zu finden, das einen glücklich macht. Nur manchmal ist es wirklich schwer, das an einem besonderen Gegenstand, einer Person oder überhaupt einer Sache sie sich fotografieren lässt fest zu machen. Oftmals bin ich einfach für alles zusammen dankbar und fröhlich deswegen.
Ich freue mich, wenn Ihr mir weiterhin auf Instagramp bei meinen #100happydays folgt und wenn ihr auch mit macht!

Alles Liebe,
Ann Cathrin

Vor ein paar Wochen hatte mich wieder das Heimweh gepackt und ich bin für ein langes Wochenende nach Hause geflogen. Im Norden ist es eben doch am schönsten und er lässt mich momentan einfach nicht los. Neben dem Heimweh stand noch ein ganz besonderes Event an: Meine Schwester eröffnete in Dänemark als Kuratorin die Ausstellung die sie im Rahmen ihres Praktikums geplant und nun auch umgesetzt hat. Vor Stolz platzend bin ich mit unserer Mutter und Freunden am Samstag Morgen nach Dänemark gefahren um uns die Eröffnung anzusehen.

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Der Katalog zur Ausstellung meiner Schwester <3

Zum Glück musste ich nicht fahren, sondern konnte die ganze Fahrt über schlafen… Zwei Nächte hintereinander nahezu durch machen ist echt keine gute Idee (ebenso wenig den ersten Flug um 6.40 von Stuttgart nach Hamburg zu nehmen, vor allem wenn man mit dem Bus aus Tübingen zum Flughafen fahren muss…). In Tønder angekommen haben wir uns erst mal kurz das Museum angesehen und sind dann in der Innenstadt bummeln gegangen. Wusstet ihr, dass die Luft im Norden viel besser ist? Ich rieche immer, dass das Meer nicht mehr weit ist. Da musste ich mehrmals kräftig einatmen um wieder meinen Frischluftspeicher für die nächste Zeit hier in Tübingen zu füllen. Tønder ist echt eine wunderschöne Stadt und das Bummeln dort macht richtig Spaß – vor allem weil es so viele süße Läden gibt mit ganz viel Krimskrams für die Küche oder zum Dekorieren. In einem, man würde hier wahrscheinlich 1€-Laden sagen, habe ich dann ein paar Sachen zum Backen und Dekorieren gekauft: Eine kleine Tortenplatte, Muffin-Förmchen aus Pappe und einen Keksstempel.

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Der Keksstempel ist echt super, wenn man schnell ein paar Kekse machen will und wenig Zeit hat. Einfach einen Teig für Butterplätzchen zubereiten, mit einer runden Form Plätzchen ausstechen und zack – den Stempel drauf. Ist doch eine süße Idee oder?

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Für die Muffin-Förmchen habe ich mit ein Rezept für Schoko-Cupcakes mit Schoko-Topping raus gesucht. Sie sind extrem süß – für mich ehrlich gesagt viel zu süß. Selbst von diesen kleinen habe ich nur einen halben geschafft, danach war mein Zuckerbedarf des Tages bei weitem gedeckt. Außerdem hab ich noch ein paar Pralinen gemacht. Meine Schwester hat mir vor einiger Zeit eine Silikon-Pralinen-Form mitgegeben und ich wollte sie nun endlich mal aufprobieren. Aber bevor ich mich an Experimente wage habe ich einfach mal Vollmilchschokolade geschmolzen, sie zur Hälfte in die Form gegossen, eine ganze Haselnuss hineingelegt und die Form mit Schokolade aufgefüllt. War super einfach und sie haben auch super geschmeckt. Jetzt werde ich mich wohl mal nach ein paar ausgefalleneren Rezepten umsehen.

Aber nun zum Cupcake-Rezept:

Zutaten:
Teig
250g Zucker
100g Butter
100g Mehl
75g Kakao
1 Tl Backpulver
1 Prise Salz
2 Eier
125ml Milch
10 Tropfen Vanillearoma

Topping
200g Butter
300g Puderzucker
6 EL Kakaopulver
400g Zartbitterschokolade
weiße Schokoraspeln zum Dekorieren

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1.
In eine Schüssel die Butter und den Zucker geben und schaumig rühren. Die Eier unter Rühren hinzugeben. Mehl, Kakaopulver, Salz und Packpulver in eine separate Schüssel sieben, Milch und Vanillearoma ebenfalls in einer separaten Schüssel vermischen. Dann unter rühren abwechselnd Mehlmischung und Milchmischung in den Teig geben. So lange weiter rühren, bis der Teig geschmeidig wird.

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2.
Den Ofen auf 175 Grad vorheizen und ein Muffinblech mit Fröschen auslegen. Dann den Teig bis zur Hälfte in die Fröschen füllen und 25 Min im Ofen backen.

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3.
Für das Frosting ein Wasserbad vorbereiten und die Schokolade in einer Schüssel langsam schmelzen lassen. Den Kakao in eine separate Schüssel geben und mit zwei Esslöffeln Wasser glatt rühren. Die Butter in eine weitere Schüssel geben und glatt und geschmeidig rühren. Den Puderzucker nach und nach dazu geben, danach das Kakaopulver und wenn dies alles glatt verrührt ist, die geschmolzenen Schokolade gut unterrühren. Das Frosting in einen Spritzbeutel geben und auf die ausgekühlten Cupcakes geben.

Lasst es Euch schmecken!

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