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Lang, lang ist’s her seit dem letzten Blog Eintrag. Was ist passiert? Nicht viel, wir hatten einfach viel zu viel um die Ohren und kaum Zeit zum Bloggen bzw. zum Backen, Kochen usw.
Seit zwei Wochen lebe ich wieder in Hamburg. Nicht für immer, aber für ein kurzes Zwischenspiel. Und ich genieße es in vollen Zügen. Alte Freunde, Großstadt, S-Bahn, Hochdeutsch, Franzbrötchen, Seeluft. All das und noch viel mehr genieße ich gerade jeden Tag. Auch wenn ich kaum dazu komme, da ich hier viel am Arbeiten bin. Aber ich versuche so viel zu genießen wie möglich. Am Samstag war ich mit einer meiner langjährigsten und besten Freundinnen im Hamburger Hafen unterwegs. Ich hab dabei auch gleich endlich mal die Queen Mary 2 gesehen. Hier jetzt also ein paar Impressionen. Mehr Bilder und Videos gibt es bei Instagram! Und bald hoffentlich mehr hier von uns.

Alle Liebe, Ann Cathrin

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Bald ist es ein Jahr her, dass wir unseren Blog gegründet haben. Nie im leben hätten wir damit gerechnet, dass wir so viele tolle Menschen dadurch erreichen und kennenlernen durften und hoffentlich noch dürfen werden.
Und weil wir jetzt „so groß“ geworden sind, haben wir beschlossen unseren Blog auf einen eigenen Server umzuziehen. Daher erreicht ihr uns jetzt direkt über www.auftuchfuehlung.de (aber keine Sorge, die alte URL funktioniert noch immer und wird umgeleitet).

Alles neu macht der Mai heißt der Artikel und bei uns ist nicht nur der Blog neu. Farina hat endlich ihre lang ersehnte Wohnung bekommen und wir sind ins neue Semester an der Uni gestartet. Da heißt es wieder fleißig lernen und die Zeit gut einplanen. Zu all diesen Themen werdet ihr bald mehr hier lesen und natürlich auch wieder viele leckere Rezepte von uns.
Was bringt der Mai neues bei euch und was wünscht ihr euch neues von uns auf dem Blog zu lesen?
Genießt den Frühling und lasst die Sonne in euer Herz!

Eure Ann Cathrin

Nachtrag: Wenn Ihr uns über WordPress, Bloglovin‘ oder Blog connect abonniert habt, müsst Ihr uns wohl erneut abonnieren, damit Ihr immer auf dem Laufenden bleibt. Falls jemand weiß, wie man Follower mit umzieht – wir sind für jeden Hinweis dankbar!

Als ich nach Tübingen gezogen bin, entschied ich mich nach einer ersten kleinen Wohnungssuchtour dafür, doch ins Studentenwohnheim zu ziehen, beworben hatte ich mich vorsichtshalber vorher schon. Denn die Preise für Wohnungen in Tübingen sind wirklich unverschämt hoch und überhaupt eine Wohnung zu finden, bei der es nicht gleich 30 andere Bewerber gibt, ist schon eine Herausforderung für sich.

Also zog ich zunächst für die ersten zwei Semester in ein Zimmer im Wohnheim, in dem ich für einen guten Preis in einer zwar nicht zentralen, aber wie ich finde sehr schönen Lage wohnte. Nach meinem Auslandssemester im dritten Jahr zogen wir in eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Familienwohnheim, gleiche Lage und für zwei Personen sogar ein noch günstigerer Preis. Da wohnen wir bis jetzt. Allerdings gibt es vom Studentenwerk aus die Beschränkung der Wohnzeit auf 6 Semester, weshalb wir im September ausziehen müssen.

In einem dieser Häuser mit Neckar-Blick eine Wohnung zu finden, ist wohl der Traum jedes Tübingers...

In einem dieser Häuser mit Neckar-Blick eine Wohnung zu finden, ist wohl der Traum jedes Tübingers…

Da uns klar war, dass sich die Wohnungssuche nicht unbedingt leicht gestalten würde, haben wir bereits im Oktober letzten Jahres mit der Suche angefangen: Wir schauten auf wg-gesucht.de, in der Zeitung, gaben eine Annonce auf und schauten später auch beim Makler. Anfangs hatten wir noch gewisse Vorstellungen, was wir unbedingt haben wollten und was nicht. Das haben wir dann nach ca. 3 Monaten aufgegeben, wir wollten einfach nur noch eine bezahlbare Wohnung finden. Pro Monat hatten wir bestimmt 8 – 12 Besichtigungen, je nach dem, wie hoch das Angebot war. Wir haben in den letzten zwei Monaten nur noch Zusagen gemacht, da wir einfach irgendeine Wohnung haben wollten. Teilweise wurden wir nicht genommen, die Vermieter wollten uns nicht oder es wurde dann doch nur eine Person gewünscht und kein Paar. Klar, wenn ich Vermieter in Tübingen wäre, würde ich auch lieber fest angestellte Personen nehmen, als Studenten, die womöglich kein ausreichend hohes Einkommen haben und nach kurzer Zeit wieder weg ziehen.

Wir hatten somit nicht die besten Voraussetzungen im Konkurrenzkampf um die Wohnungen. Aber im letzten Monat, als wir zwei Maklerbesichtgungen hatten (wir waren zu dem Zeitpunkt auch bereit, Provision zu bezahlen, damit wir überhaupt was finden), waren wir eigentlich recht zuversichtlich: Wir hatten das Gefühl, einen guten Eindruck gemacht zu haben, die Zahl der Mitbewerber schien nicht sehr hoch zu sein und wir hatten eine schnelle Zusage gemacht. Was soll ich sagen: Nach drei Wochen haben wir nicht mal eine Absage bekommen. Nach einer Nachfrage um den Stand der Dinge hieß es, man hätte uns eine Mail geschrieben. Diese ist aber nie angekommen. Nach dieser Odysse kann man schon mal verzweifeln.

Alle Besichtigungen haben wir bisher zu zweit gemacht. Am letzten Wochenende war ich dann auf der Zahnräder Konferenz und wir bekamen spontan ein Besichtigungsangebot für den Samstag, sodass mein Mann alleine ging. Die Wohnung hat eine super Lage und er sagte sofort zu. Und was soll ich sagen? Wir haben die Wohnung. Am Freitag, bevor ich gefahren bin, habe ich noch zum Spaß gesagt: „Wenn wir diese Wohnung bekommen, dann lag es bisher an mir bzw. meinem Aussehen.“ Ich muss ganz ehrlich sagen, ich weiß in diesen Situationen nie, ob man sich in solchen Situationen zu schnell in etwas hineinsteigert, deswegen bin ich vorsichtig, wenn es um die Aussage „Und alles nur wegen meines Kopftuchs“ geht. Allerdings habe ich, bevor ich es getragen habe, auch immer gedacht, es würde in dieser Hinsicht generell übertrieben. Mittlerweile habe ich jedoch meine Erfahrungen gemacht, was die Außenwahrnehmung einer Kopftuchträgerin angeht. Und leider muss ich sagen, ein bitterer Beigeschmack bei dieser Wohnungszusage bleibt.

Nachtrag: Mein Gefühl war wohl tatsächlich nicht ganz unberechtig. Ich habe heute Nachmittag noch eine Antwort von einer Maklerin bekommen, mit der wir eine Wohnung noch vor Ostern besichtigt hatten. Begründung dafür, dass man sich bisher nicht gemeldet hätte: In den arabischen Ländern bekomme man ja viel Besuch, deswegen hätten die Vermieter doch Bedenken. Vergeben sei die Wohnung jedoch nicht. Da fehlen mir echt die Worte [zumal wir vor und während der Besichtigung mehrmals versichert haben, dass wir ruhige Mieter sind].

Zum zweiten Weihnachtstag gibt’s nun auch von uns ein paar weihnachtliche Grüße! Wir hoffen – und ob nun Weihnachten gefeiert oder nicht – dass Ihr die freien Tage mit Euren Liebsten verbracht habt, und Ihr Euch vom vergangen Jahr ein bisschen erholt habt.IMG_5829

Farina und ich sind zusammen in den hohen Norden gefahren und haben das Wochenende vor Weihnachten zusammen in Hamburg verbracht. Leider hatten wir viel zu viel zu tun, daher müssen wir das unbedingt wiederholen und Euch dann ein paar mehr Bilder von uns in Hamburg präsentieren.

Wir hatten übrigens den Schnee mit in den Norden gebracht. Als wir um drei Uhr nachts ankamen fielen die ersten Flocken und als wir am nächsten morgen erwachten, war alles in wunderbares weiß gehüllt. Allerdings hielt der Schnee nur zwei Tage – leider nicht bis zum heiligen Abend…

IMG_5899Aber nun zu Weihnachten! Ein besonders großer Weihnachts-Fan bin ich ja nicht, aber es ist immer schön zu dieser Zeit nach Hause zu kommen. Und da nun seit drei Jahren ein kleines Mädchen in der Familie ist, wird Weihnachten wieder weihnachtlicher… und vor allem spannender, was das Geschenke auspacken angeht.

Was habt Ihr denn so alles vom Weihnachtsmann, Christkind oder einfach von der Familie und Freunden bekommen? Hier sind meine wundervollsten Geschenke, die ganz klar in eine Richtung gehen: backen!

Cupcakes! Meine Freundin fand sie wohl sehr verlockend und will jetzt auch welche. Aber größere! Dafür gab es Silikonförmchen und ganz viele leckere Rezepte.

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CakePops! Die will ich schon lange mal backen. Von meiner Schwester und Farina gabs das entsprechende Zubehör. Natürlich mit rosa Deko und Glasur 🙂

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Parfüm! Mal was neues von Mama. Estée Lauder – Sensuous. Laut Beschreibung riecht es nach geschmolzenen Holznoten, Amber, Jasmin und Ghost Lily. Hätte ich niemals raus gerochen, aber es riecht super und passt vor allem zu mir.

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Buch! Obligatorisch, wie jedes Jahr von Mama. „Mit Romanen brauch ich Dir ja nicht kommen!“, sagte sie und schenkte mir „Die Kunst des klaren Denkens“ von Rolf Dobelli.IMG_5974

Nochmal vielen Dank für all die schönen Geschenke!

Eure Ann Cathrin

Über 100 Fans auf Facebook und das Überschreiten der 10.000-er Marke bei der Besucherzahl unseres Blogs! Wir haben uns wirklich riesig darüber gefreut. Klar, andere Blogs haben täglich 1000de Besucher, aber für uns sind 100 Leser eine ganze Menge und wir wollen uns bei EUCH ganz <3-lich dafür bedanken! Und um euch ein bisschen zurückzugeben, haben wir uns gedacht, wir starten unser erstes „Gewinnspiel“.

Und zwar könnt ihr ein ganz tolles Backset gewinnen, in dem 12 Muffin-Silikon-Formen in Herzform enthalten sind und ein Buch mit vielen tollen Rezeptideen. Passend zu der Jahreszeit, in der ja sowieso viel gebacken wird, habt ihr also hier die Möglichkeit, eure Backausstattung zu erweitern und euch weitere Inspirationen zu holen.

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Und so könnt ihr gewinnen:

  • Ihr solltet unseren Blog entweder über Facebook, Email oder Bloglovin folgen.
  • Hinterlasst einen Kommentar unter diesem Post – gerne dürft ihr auch sagen, was euch an unserem Blog gefällt oder was ihr euch hier wünschen würdet. Im Kommentar solltet ihr bitte auch eine Kontaktmöglichkeit angeben (z.B. Emailadresse).
  • Mitmachen könnt ihr bis einschließlich Sonntag

Viel Glück =)

Eure Ann Cathrin & Farina

Und ich kenne dich nicht, aber ich sage dir, lass es uns versuchen. Lass uns so tun, als würden wir einander etwas bedeuten. Lass uns so tun, als wären wir freiwillig aneinander gebunden und fänden genau das lebenswert. Lass uns so tun, als würden wir einander folgen. Und wenn auch nur für einen halben Moment, einen halben Tag. Oder vielleicht, wenn wir so tun, als würden wir nichts mehr fürchten, für ein halbes Leben. Lass uns ignorieren, dass wir zu kaputt sind, um uns selbst noch aufzuopfern. Lass uns so tun, als würden wir keine Angst mehr haben, verletzt zu werden oder zu verletzten, weil wir es eben nicht besser wissen. Lass uns so tun, als wären wir nicht halb so kompliziert, wie wir selbst von uns denken. Lass uns so tun, als wären wir nicht austauschbar, neben all den schönen anderen Wesen, mit ihrer glitzernden Oberfläche und dem tiefen Abhang dahinter.

Folge mir in den Halbdüsterwald, dort wo die roten Bäume stehen, dort wo die weißen Schatten jener Gedanken zu Boden gehen, die wir miteinander teilen, in der Illusion, dass alles wirklich ist und wahr. Lass uns im grünen Dunkeln des Sees schweben, dann, wenn man ihn nicht mehr vom Himmel unterscheiden kann und er eins ist mit allem, um sich herum. Eine transparente Schwärze, in der man nur noch unsere blassen Körper sieht, wie sie aufeinander zu treiben, sich einer dem Anderen nähert, wie sich unsere Silhouetten dann umeinander schlingen und eins werden mit allem, das da nicht ist. Lass uns miteinander reden und so tun, als verstünden wir den Anderen, sodass er sich sicher fühlen kann und nicht allein ist, mit allem, was ihn quält an Frustration und Schönheit.

Ich folge dir in den warmen Schnee, in dem wir fast vollständig verschwinden und man nur noch unsere ebenholzfarbenen Wimpern sieht, wie sie einander zu blinzeln und die Pupillen dahinter, umrandet von der goldzarten Iris, lächeln. Die blassvioletten Weiten lassen Stürme aufmaschieren und wir halten uns an den Händen, lachend, während wir aus dem Schnee in die Welt geweht werden. Unsere Lippen, zu schwach, um sich zu bewegen, erklären die Erhabenheit und Größe des Ganzen, das pochende Glück in der Brust und noch vieles mehr. Und auch wenn wir stumm sind, verstehen wir doch jedes Wort des Gegenüber. Denn wir wollen es so. Wir wollen so tun, als sei die Kälte der Welt um uns herum nicht wahr, als sei jedweder Abgrund nie vor unsere Füße gewachsen, als sei die Einsamkeit ein Ort, den wir gewählt hätten und den wir jederzeit wieder verlassen könnten. Wir wollen so tun, als ob. Als sei das wirkliche Liebe zwischen uns. Als sei das Leben des Anderen mehr wert, als das eigene. Und wenn wir lange genug so tun, dann könnte es irgendwann vielleicht wahr sein. Wenn wir fest daran glauben, könnte dies eine grenzenlose, eine sich nicht erklärende, mutige und wahrhafte Liebe sein. Wenn wir das wollten. Aber du weißt so gut wie ich, dass wir uns eigentlich nur dafür entscheiden müssen.

Dieser Text stammt von Susa (und hier ist ihr toller Blog). Danke, dass wir diesen wundervollen Text bei uns veröffentlichen durften.

Eure Ann Cathrin

Und ich spüre noch immer Deine Hand, als Du die Meine nahmst und sie ganz fest hieltst. Spüre das Glück in mir, als ich aufschaute und das Strahlen in Deinen Augen sah. Höre, wie Du mir „I love you“ ins Ohr flüstertest, als Du auf meinem Schoß saßt, während wir über die holprigen Straßen fuhren.

Ich öffne morgen noch immer meine Augen und sehe Dich, obwohl Du nicht da bist. Stelle mir vor, wie wir uns wieder minutenlang angucken würden, grinsen, und irgendwann beginnen zu sagen „ich will nicht, dass Du gehst“.  Ich sehe uns noch immer vorm Spiegel stehen, beratend, welche Farbe des Tuches wohl am besten zu meinem Outfit passe. Höre Dich sagen, „nimm Dir einfach ein Tuch von mir, Du bist jetzt meine Schwester“. Spüre Deine Hände, die mir jeden Tag das Tuch um Kopf legten, damit auch ja alles richtig sitzt.

Ich schmecke noch immer Deinen Tee auf meiner Zunge. Der Tee, der nach Geborgenheit schmeckte. Der Tee, der jeden Tag zu einem der schönsten meines Lebens machte. Ich sehe Dich lachen, weil Du mir versucht mit einzelnen Wörtern und Handzeichen etwas zu erklären und ich es wieder nicht verstehe. Ich spüre noch immer Deine Umarmungen, voller Wärme und Zuneigung, wie nur eine Mutter sie geben kann.

Ich höre Dich noch immer, wie Du mit mir redest, und vermutlich gar nicht merkst, dass ich Dich nicht verstehe.  Aber ich höre Dir zu, spende Dir Trost. Reiche Dir Taschentücher, damit Du Deine Tränen nicht ins Kopftuch wischen musst; und wünschte Du könntest mir jetzt welche reichen für meine Tränen.

Mein Bauch schmerzt noch immer, von dem ganzen leckeren Essen, das allein Du gekocht hast. Und er schmerzt von dem vielen Gelächter, wegen Dir. Wegen Deinen vielseitigen Sprachkenntnissen, Deinen beeindruckenden Gymnastikübungen, Deinen unendlich vielen Brüdern.

Ich will wieder mit Dir unterm Sternehimmel tanzen. Dein unschuldiges Kichern hören. Kein Wort mit Dir reden und Dich dennoch mehr als genug verstehen. Dir noch einmal meine liebste Kette umhängen, damit irgendwas von mir bei Dir bleibt. Dich auf meinem Schoß wiegen, Dich in den Schlaf singen.

Ich habe bei jedem Einzelnen ein Stück meines Herzens gelassen und mehr zurück bekommen, als ich je erwarten konnte.

Ich vermisse Euch.

Frage

Dir erzähle ich meine Geschichte
und du kannst es nicht ertragen
dir das Geschehende anzuhören
bedenke
wie es mir dabei gehen soll
da ich das Ganze
an Leib und Seele
erfahren habe.

Afsane Bahar
(aus: Palästina. Reisen zu den Menschen)

Da Thorsten so einen schönen Bericht über unseren Trip nach Jenin geschrieben hat, möchte ich ihn auch hier bei uns veröffentlichen. Wer mehr von Thorsten lesen möchte, u.a. auch seine weiteren Reiseberichte aus Israel und Palästina, dem sei sein Blog Thorschten’s News Channel wärmstens empfohlen!

Nach verschiedenen kurzen Touren nach Hebron und Nablus wollte ich nun endlich auch einmal nach Jenin kommen – in die Stadt, die vor allem wegen ihrer Rolle während der Zweiten Intifada traurige Berühmtheit erlangte hatte. Vor allem das Flüchtlingslager galt als Hochburg der Hamas und der Al-Aqsa-Brigaden. Von hier aus starteten zwischen den Jahren 2000 und 2003 mindestens 28 Selbstmordattentäter ihre tödliche Mission. Im Jahr 2002 rückte die israelische Armee ein, es gab tagelange Gefechte, zahlreiche Tote und ein Teil des Flüchtlingslagers wurde von israelischen Bulldozern zerstört. Die aktuellste Erwähnung fand Jenin jedoch in dem Film „Cinema Jenin“, der über die Renovierung des gleichnamigen Kinos der Stadt gedreht wurde. Dieses Kino wollte ich auf jeden Fall sehen.

Zusammen mit Ann Cathrin, Chris und unserem palästinensischen Bekannten Wahib, der in Tübingen studiert, machten wir uns mit einem Mietauto auf den Weg nach Norden. Chris und ich stießen von Jerusalem aus am Qalandiya-Checkpoint zu den beiden anderen.

Mit unserem roten Honda fuhren wir dann zunächst in Richtung Nablus. Erstaunlicherweise sollten wir von keinem einzigen Checkpoint aufgehalten werden. Die massiven Betonblöcke säumen zwar noch den Weg und die Straße ist von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen entschleunigt, doch es sind kaum israelische Soldaten zu sehen. Allein einige jüdische Siedlungen liegen links und rechts der Siedlerstraße, die zurzeit größtenteils auch für palästinensische Autos geöffnet ist. Vor einigen Jahren noch gab es stellenweise kein Durchkommen.

Etwa 80 Kilometer liegen zwischen Jerusalem und Jenin. Unser Weg führt uns durch die bergige Landschaft Samarias, vorbei an israelischen Siedlungen und arabischen Ortschaften, durch heiße Täler und vorbei an Olivenhainen. Eine arabische Ortschaft sticht vor allem ins Auge, weil die Einfahrt durch eine Allee aus Palmen erfolgt. Hier stünden 80% der Häuser leer, meint Wahib. Viele Palästinenser würden im Ausland leben und nur einen Monat im Jahr in ihrer Heimat verbringen.

Hinter Nablus machen wir Rast an einem faszinierenden Ort. Direkt an der Straße liegt ein Bachlauf, der zu einer gastronomischen Attraktion ausgebaut worden ist: Man kann hier auf Plastikstühlen im Wasser sitzen, sich die Füße abkühlen, eine entspannte Wasserpfeife rauchen und grillen – sofern man seinen Grill selbst mitgebracht hat. Der Eintritt kostet umgerechnet zwei Euro, die Wasserpfeife ist günstig. Dazu eine Tasse Tee mit Nana. Dann geht es weiter.

Nun sind es nur noch 40 Kilometer nach Jenin. Die Landschaft bleibt hügelig. Erst kurz vor der Stadt kommen weite Felder in Sicht. Hier gibt es große, landwirtschaftlich nutzbare Flächen.

Jenin ist an einem Freitagnachmittag wie ausgestorben. Anders als in Jerusalem sind die Geschäfte geschlossen und der Basar ist leer. Die 36.000 Einwohner zählende Stadt ist ruhig und auch der Verkehr hat Pause.

Auch am Busbahnhof scheint nicht viel los zu sein. Genau gegenüber liegt das zum Cinema Jenin gehörende Guesthouse, in dem wir für eine Nacht unterkommen wollten. Die Atmosphäre ist nicht die spritzigste, aber vielleicht liegt das am Wetter. Wir unterhalten uns mit den Volontären, die allesamt aus Deutschland kommen. Das Kino, dessen mehr oder weniger dramatische Geschichte in dem Film beschrieben wurde, den ich mir vor ein paar Monaten in Tübingen im Kino angesehen hatte, hat kaum Vorstellungen, da niemand von den Einheimischen hingeht. Im letzten Monat hat es ganze 50 Schekel eingenommen, umgerechnet etwa zehn Euro. Nachdem eine Kooperation mit Israel verhindert, abgelehnt und verneint wurde, schien es zunächst bergauf zu gehen. Doch die Uneinigkeiten innerhalb der palästinensischen Führung des Kinos verringerte das Vertrauen der Bevölkerung. Es gab vor ein paar Tagen eine Filmvorführung vor zwei Personen. Wir hätten also zu viert gute Chancen, einen Film zu sehen, meint einer der Volontäre, der wie wir in Tübingen studiert.

Angeregt wurde die Renovierung und Neueröffnung des einzigen Kinos der Stadt, das seit 1987 geschlossen war, von Ismael Khatib, der durch den Film „Das Herz von Jenin“ bekannt geworden war, weil er die Organe seines von israelischen Soldaten erschossenen Sohnes spendete, und von Marcus Vetter, einem deutschen Dokumentarfilmer. In „Cinema Jenin“ wird eindrucksvoll beschrieben, wie lang der Weg zu einem funktionierenden Kino war. Heute wird das Projekt hauptsächlich vom deutschen Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut in Ramallah getragen. Deshalb finden in einem extra hierfür eingerichteten Klassenzimmer im Guesthouse auch Deutschunterricht statt. Die deutschen Volontäre geben darüber hinaus auch Workshops für Kinder, in denen sich alles um das Filmemachen dreht. Leider sind die einzelnen Projekte schlecht mit der Führung abgestimmt – und als vor ein paar Tagen 30 Kinder mitsamt ihrer Eltern auftauchten, waren die Volontäre heillos überfordert, da man sie vorher nicht informiert hatte.

Das Guesthouse bietet Zimmer, in denen aufgrund der Hitze nur die Härtesten der Harten schlafen können. Doch es gibt auch eine Dachterrasse. Ein schattiger Balkon lädt zum Entspannen ein. Er ist mit einer Verkleidung aus dünnen Bambusrohren abgeschottet – gegen die Sonne, aber auch gegen die misstrauischen Nachbarn. Aus dem Film weiß ich, dass das Guesthouse für die Volontäre aus Übersee umgebaut wurde, die bei der Renovierung des Kinos halfen. Die gemeinsame Unterbringung von Männern und Frauen in einem Haus sorgte für Gerüchte.

Unten in der Lobby hängt ein Foto von Juliano Mer-Khamis. Er hat beim Aufbau des Kinos ebenfalls eine wesentliche Rolle gespielt. Seine Mutter, eine Jüdin, hatte im Flüchtlingslager der Stadt das Freedom Theatre gegründet, das er erfolgreich weiterführte. Palästinensischen Kindern sollte so Hoffnung und Perspektiven gegeben werden. Der arabisch-jüdische Künstler wurde am 4. April 2011 von einem maskierten Täter vor seinem Haus erschossen. Nach seinem Tod ging ein Teil der Volontäre vom Cinema Jenin fort. Heute würde Mer-Khamis, der seinen Wehrdienst bei der israelischen Fallschirmbrigade abgeleistet hatte und sich später zu 100 Prozent als Jude und zu 100 Prozent als Palästinenser bezeichnete, dem Projekt eine große Stütze sein. Finanziell wird das Cinema Jenin bis Jahresende noch vom Auswärtigen Amt getragen. Was danach passiert, scheint keiner so recht zu wissen. Bis jetzt ist man nicht gewinnorientiert und es genügt, wenn man auf Null herauskommt.

Unser Nachmittag ist noch nicht zu Ende. Wir essen gut und viel in einem Restaurant, in dem ein Verwandter von Wahib arbeitet. Huhn, Lamm und zuvor eine kaum zu überschauende Vielzahl von Hummus, Salaten und Gemüse, dazu eine kühle Cola. Der Tag war unheimlich heiß und alle sind froh, einen Ort mit Klimaanlage gefunden zu haben. Nach dem Essen begleitet uns ein junger Mann namens Qais zu seinem Arbeitsplatz nördlich von Jenin, einer Open-Air-Imbissbude in einem kleinen Park. Hier genießen wir den zweiten Tee und die zweite Wasserpfeife des Tages, während die Sonne unter- und der Mond aufgeht. Unweit von hier ist die Grenze zum israelischen Staatsgebiet. Hier sitzen wir eine Weile, hören arabische und hebräische Musik, bevor wir mit dem Auto zurück zum Guesthouse fahren und den Tag auf der Dachterrasse ausklingen lassen. Qais will am nächsten Tag mit uns durch Jenin fahren und uns die Stadt zeigen.

Am nächsten Morgen kräht der Hahn. Mehrmals. Und er setzt die Definition für „Morgen“ schon sehr früh an. Doch wir wollen ohnehin früh los. Nach einem kleinen Frühstück mit Hummus und Fool (gekochten Bohnen) treffen wir uns vor der Tür mit Qais.

Heute ist Jenin kaum wiederzuerkennen: Menschen und Autos – aber vor allem Autos – füllen die Straßen. Man betätigt fleißig die Hupe, um sich Gehör zu verschaffen. Wir bahnen uns unseren Weg durch die Stadt. Am Eingang des Flüchtlingslagers zeigt uns Qais eine Statue: Es ist ein Pferd, das aus den Resten eines Rettungswagens gebaut wurde, der von der israelischen Armee bombardiert wurde.

Man kann sogar den Schriftzug „Ambulance“ noch erkennen… – Die Statue steht unweit von Juliano Mer-Khamis‘ schon erwähnten Freedom Theater.

In Jenin scheint es nicht allzu viel zu geben, das man besichtigen könnte. Doch es gibt Fotomotive ohne Ende. Und hier und da findet man Raritäten und Zeugen der Geschichte – auch über den leidigen Nahostkonflikt hinaus. So stößt man neben einem großen Bankgebäude auf ein Denkmal der deutschen Fliegerstaffel, die hier im Ersten Weltkrieg zur Unterstützung der Türken stationiert war. Es erinnert an die Gefallenen, die im Kampf gegen die Briten ihr Leben ließen.

Nach diesem „Schmankerl“ tauchen wir ein in das Marktleben. Tausende von Menschen drängen sich durch die Gassen und Wege. Unter ihnen sind viele israelische Araber, die aus dem Norden nach Jenin kommen, um billig einzukaufen. Die bewachten und unbewachten Parkplätze sind überfüllt. Auffällig viele Mädchen und junge Frauen ohne Kopftuch. Die meisten von ihnen kommen von der anderen Seite des Sperrzauns.

Wir besuchen die Fatima-Khatun-Moschee, die etwa 500 Jahre alt ist, was man ihr aber nicht wirklich ansieht. Innen ist sie außergewöhnlich schlicht. Außerhalb der Gebetszeiten ist sie fast leer. Nur einige alte Männer. Ein altes Grab erinnert an die Gründerin. Ihr Mann war Bosnier und osmanischer Gouverneur von Damaskus. Damals war das Land unter den Osmanen vereint.

Draußen, vor dem Gebetshaus, tummelt sich das Leben. An den Wänden kleben vereinzelt noch Plakate, die an die Märtyrer (oder Terroristen) von damals erinnern, als Jenin noch eine Hochburg des palästinensischen Widerstandes war und Terroranschläge auf israelische Busse täglich vorkamen. Doch im Stadtzentrum gibt es deutlich weniger solcher Plakate als in Nablus, was mich erstaunt. Immerhin hatte Jenin eine andere Stellung als die übrigen Städte. Allgemein spürt man jedoch sehr wenig Knistern in der Luft. Jenin präsentiert sich als eine Stadt wie alle anderen. Touristen sieht man neben den Käufern aus Israel keine, doch es müssen welche da sein. Auch in der Stadtbibliothek, zu der uns unser einheimischer Guide führt, erweckt man den Eindruck, als wären Touristen nichts Ungewöhnliches. Wir werden auf einen Tee eingeladen, nachdem man uns die verschiedenen Räume und Abteilungen der Bibliothek gezeigt hat. Um hierher zu kommen muss man das Treppenhaus mit seinen steilen Stiegen überwinden. Noch ein Stockwerk weiter oben gibt es ein Archiv, wo die Ausgaben dreier Tageszeitungen seit den Achtzigern aufbewahrt werden. Zwei Männer sitzen in einem eigenen Abteil und reparieren alte Bücher.

Das Gebäude wurde wie auch die Schule nebenan von den Türken gebaut. Die Osmanen herrschten in Palästina wie in den gesamten umgebenden Regionen bis 1917, als sie im Zuge des Ersten Weltkrieges von den Briten aus ihrem jahrhundertelangen Herrschaftsbereich zurückgedrängt wurden.

Vom Balkon der Bibliothek kann man die Abu-Bakr-Straße überblicken, die nach dem ersten muslimischen Kalifen benannt ist. Sie ist die Hauptstraße der Stadt. Hier begeben wir uns auch auf den Rückweg zu unserem Mietwagen. Durch die handelsfreudigen Händler und vorbei an hupenden Autos bahnen wir uns den Weg zum staubigen Parkplatz. Wir fahren Qais zurück zu seinem Arbeitsplatz und machen uns dann auf nach Ramallah. Die Fahrt geht durch die gewohnte Landschaft, vorbei an Bergen und über steile Hänge. Das Grün des Nordens nimmt ab, je weiter man nach Süden kommt. Doch genauso verhält es sich auch mit der Hitze. In Ramallah angekommen beginnt es sogar leicht zu nieseln – für eine halbe Minute. Der Himmel ist bedeckt. Und am Abend, als ich schon lange wieder im Jerusalemer Hostel sitze, regnet es dann sogar eine Weile. Doch bevor Chris und ich wieder im Abraham Hostel angekommen waren, mussten wir uns in die lange Schlange vor dem Qalandiya-Checkpoint einreihen. Während man von Betlehem aus mit dem Bus nahezu unbeachtet über die Grenze kommt, muss man hier durchs Drehkreuz gehen, auf das grüne Licht warten, den Gürtel ausziehen und sich durchleuchten lassen. Der gelangweilte israelische Soldat verraucht unterdessen mit seiner Wasserpfeife das Kabuff, in dem er sitzt.

Der Trip hat sich auf jeden Fall gelohnt. Und Jenin hat mir irgendwie gefallen. Es ist eine Stadt wie viele andere im Westjordanland, mit vielen freundlichen Menschen. Doch sie ist kleiner und hat eine dramatischere Geschichte. Und ein Tag reicht sicherlich bei weitem nicht aus, um die Probleme der Menschen, die politischen Strukturen und das Zukunftspotenzial auszukundschaften. Deutlich wird nur, dass Projekte wie etwa das Cinema Jenin noch mehr (oder anders) gefördert werden müssen, da das Vertrauen innerhalb der Bevölkerung noch fehlt. Auch die Stadtbibliothek könnte mit Sicherheit Unterstützung gebrauchen. Bildung ist ein kostbares Gut und schafft Perspektiven für die Zukunft.

Morgen werde ich einen letzten Blick auf Jerusalem werfen und mich dann in Richtung Westen nach Tel Aviv vorarbeiten, um meine letzten Tagen im Land mit einer gezielten Erholungseinheit am Strand verbringen – in der Hoffnung, nicht dem nächsten Sonnenbrand zum Opfer zu fallen.

Adolf kommt immer mit, wenn ich reise. Ich habe ihn nie eingeladen, er mich nie gefragt ob er mit darf. Aber er ist dabei. In Europa, aber vor allem im Nahen Osten.  Irgendwann packt ihn immer jemand auf den Tisch.

„Den Adolf, wie findest Du ihn eigentlich?“, das ist so die Standardfrage, die irgendwann kommt. Manchmal ein bisschen später, manchmal gleich, nachdem die ersten persönlichen Dinge geklärt wurden. Wie heißt Du?  Bist Du verheiratet? Wie alt bist Du? Sprichst Du Arabisch? Magst Du den Adolf?

Nein. Adolf mag ich nicht. Aber ich kann ihn aus meinem Leben nicht weg denken. Darf ich auch nicht.

Wahrscheinlich muss ich ihn dabei haben.

Ich hab schon oft über ihn reden müssen. Nicht nur reden. Ich habe erzählen müssen, was der Adolf wirklich gemacht hat. Hier in Ägypten zum Beispiel.

„Der Adolf, der hat doch die ganzen Juden umgebracht, das war doch gut! Oder nicht?“, das ist die Frage, die immer auf mein „Nein“ folgt. „Nein, das war nicht gut. 6 Millionen Menschen, das ist nicht gut. Nicht mal einer ist gut.“ „Aber es waren doch Juden! Guck Dir an was die Juden mit den Palästinensern machen, das sind schreckliche Menschen. Die lügen und betrügen. Der Adolf, der war ein Guter.“

Ich trage keine Schuld, aber ich trage Verantwortung. Verantwortung, diese Aussagen jedes Mal zu korrigieren. Jedes Mal zu sagen, dass der Adolf kein Guter war. Dass seine Taten und die seiner Gefolgsleute abscheulich waren. Von Konzentrationslagern zu erzählen, Bilder zu zeigen, von Videos zu erzählen, von Nachlässen zu berichten. Zu sagen, dass Juden keine schlechten Menschen sind. Das man Israel als Staat heute gerne auf schärfte kritisieren kann, aber das Juden nicht von Natur aus schlechte Menschen sind. Und jedes Mal klappt es. Ein wenig. Hoffentlich.

Adolf war natürlich auch dabei, als ich in Israel und Palästina war. Israel, das Land, wegen dem alle in der Region den Adolf so mögen.

Erst hatte ich ihn ganz vergessen. Doch dann schaute er mich an. Da in Yad Vashem, blickte er auf mich herunter von der Wand. Ich sah ihn, er sah mich. Und ich dachte: „Na, du auch hier?! Sollte ich mich wundern?“. Ja, und dann gingen wir hindurch, durch diese bedrückende Gedenkstätte. Mit uns diese ganzen israelischen Jugendlichen. Und ich fragte mich, wenn sie mitbekommen, dass ich Deutsche bin, werden sie mich hassen? Wird mir irgendwer Vorwürfe machen? Dabei kann ich doch gar nichts dafür, was der Adolf angerichtet hat. Aber nein, nichts passierte. Niemals passierte etwas dergleichen. Der Adolf, der war halt da. Wurde gelobt und verspottet. Verstehen konnte ich beides nicht.

Einmal, da hat der Adolf es dann doch geschafft. Ich hab wegen ihm geweint. Die Adolf-Sache hat mich in Palästina an meine emotionale Grenze gebracht.

Diesen verallgemeinerten Hasse gegen die Juden konnte ich nie nachvollziehen. Wollte ich auch nicht und will ich auch bis heute nicht. Da weigere ich mich. Aber dort in Palästina bekam ich eine Ahnung. Eine Ahnung, wieso die Palästinenser einfach nur noch bedingungslos und ausnahmslos hassen.

Wenn ein Großteil deiner Verwandten wegen Nichtigkeiten schon im Gefängnis saß oder sitzt, wenn sie gefoltert und geschlagen wurden. Wenn sie erschossen wurden. Wenn deine Rechte missachtet werden, wenn sie deine Bewegungsfreiheit einschränken, wenn sie wahllos Checkpoints eröffnen. Wenn du in die Ferne blickst und Siedlungen siehst, auf einem Stück Land, das eigentlich dir gehört. Wenn sie dich einschließen mit einer meterhohen Mauer. Wenn sie dich zum Menschen zweiter Klasse machen.

Ja, da saßen wir zu dritt. Der Palästinenser, der Adolf und ich. Und ich verstand den Hass. Aber den Adolf triumphieren lassen? Niemals! Und wieder sagte ich: „Der Adolf, der hat 6 Millionen umgebracht und nicht 6.000. Der Adolf, der hat sie auf die unmenschlichste Art und Weise umgebracht und nicht in den Tod gestreichelt, so es mancher zu denken scheint. Der Adolf, der hat unschuldige Menschen getötet. Die Juden, das waren ganz normale Menschen, wie jeder andere.“ „Aber schau, was sie mit uns machen, die Juden.“ Und ich sah es. Und ich sagte, dass das aber nichts mit der jüdischen Religion zu tun hat. Und das man den Holocaust nicht vergleichen kann mit dem Konflikt in Israel und Palästina. Ja, es ist schlimm. Aber ein Vergleich unmöglich. Unangebracht.

Und da saßen wir. Ich hab geweint. Ich verstand ihn. Aber niemals würde ich sagen, dass er recht hat. Niemals.

Ich werde Adolf immer mitnehmen. Und jedem, der mich auf ihn anspricht sagen, was er alles getan hat. Ich werde Bilder zeigen. Ich werde sagen, was für ein Verbrecher er war.