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Vor ein paar Wochen hatte mich wieder das Heimweh gepackt und ich bin für ein langes Wochenende nach Hause geflogen. Im Norden ist es eben doch am schönsten und er lässt mich momentan einfach nicht los. Neben dem Heimweh stand noch ein ganz besonderes Event an: Meine Schwester eröffnete in Dänemark als Kuratorin die Ausstellung die sie im Rahmen ihres Praktikums geplant und nun auch umgesetzt hat. Vor Stolz platzend bin ich mit unserer Mutter und Freunden am Samstag Morgen nach Dänemark gefahren um uns die Eröffnung anzusehen.

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Der Katalog zur Ausstellung meiner Schwester <3

Zum Glück musste ich nicht fahren, sondern konnte die ganze Fahrt über schlafen… Zwei Nächte hintereinander nahezu durch machen ist echt keine gute Idee (ebenso wenig den ersten Flug um 6.40 von Stuttgart nach Hamburg zu nehmen, vor allem wenn man mit dem Bus aus Tübingen zum Flughafen fahren muss…). In Tønder angekommen haben wir uns erst mal kurz das Museum angesehen und sind dann in der Innenstadt bummeln gegangen. Wusstet ihr, dass die Luft im Norden viel besser ist? Ich rieche immer, dass das Meer nicht mehr weit ist. Da musste ich mehrmals kräftig einatmen um wieder meinen Frischluftspeicher für die nächste Zeit hier in Tübingen zu füllen. Tønder ist echt eine wunderschöne Stadt und das Bummeln dort macht richtig Spaß – vor allem weil es so viele süße Läden gibt mit ganz viel Krimskrams für die Küche oder zum Dekorieren. In einem, man würde hier wahrscheinlich 1€-Laden sagen, habe ich dann ein paar Sachen zum Backen und Dekorieren gekauft: Eine kleine Tortenplatte, Muffin-Förmchen aus Pappe und einen Keksstempel.

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Der Keksstempel ist echt super, wenn man schnell ein paar Kekse machen will und wenig Zeit hat. Einfach einen Teig für Butterplätzchen zubereiten, mit einer runden Form Plätzchen ausstechen und zack – den Stempel drauf. Ist doch eine süße Idee oder?

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Für die Muffin-Förmchen habe ich mit ein Rezept für Schoko-Cupcakes mit Schoko-Topping raus gesucht. Sie sind extrem süß – für mich ehrlich gesagt viel zu süß. Selbst von diesen kleinen habe ich nur einen halben geschafft, danach war mein Zuckerbedarf des Tages bei weitem gedeckt. Außerdem hab ich noch ein paar Pralinen gemacht. Meine Schwester hat mir vor einiger Zeit eine Silikon-Pralinen-Form mitgegeben und ich wollte sie nun endlich mal aufprobieren. Aber bevor ich mich an Experimente wage habe ich einfach mal Vollmilchschokolade geschmolzen, sie zur Hälfte in die Form gegossen, eine ganze Haselnuss hineingelegt und die Form mit Schokolade aufgefüllt. War super einfach und sie haben auch super geschmeckt. Jetzt werde ich mich wohl mal nach ein paar ausgefalleneren Rezepten umsehen.

Aber nun zum Cupcake-Rezept:

Zutaten:
Teig
250g Zucker
100g Butter
100g Mehl
75g Kakao
1 Tl Backpulver
1 Prise Salz
2 Eier
125ml Milch
10 Tropfen Vanillearoma

Topping
200g Butter
300g Puderzucker
6 EL Kakaopulver
400g Zartbitterschokolade
weiße Schokoraspeln zum Dekorieren

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1.
In eine Schüssel die Butter und den Zucker geben und schaumig rühren. Die Eier unter Rühren hinzugeben. Mehl, Kakaopulver, Salz und Packpulver in eine separate Schüssel sieben, Milch und Vanillearoma ebenfalls in einer separaten Schüssel vermischen. Dann unter rühren abwechselnd Mehlmischung und Milchmischung in den Teig geben. So lange weiter rühren, bis der Teig geschmeidig wird.

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2.
Den Ofen auf 175 Grad vorheizen und ein Muffinblech mit Fröschen auslegen. Dann den Teig bis zur Hälfte in die Fröschen füllen und 25 Min im Ofen backen.

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3.
Für das Frosting ein Wasserbad vorbereiten und die Schokolade in einer Schüssel langsam schmelzen lassen. Den Kakao in eine separate Schüssel geben und mit zwei Esslöffeln Wasser glatt rühren. Die Butter in eine weitere Schüssel geben und glatt und geschmeidig rühren. Den Puderzucker nach und nach dazu geben, danach das Kakaopulver und wenn dies alles glatt verrührt ist, die geschmolzenen Schokolade gut unterrühren. Das Frosting in einen Spritzbeutel geben und auf die ausgekühlten Cupcakes geben.

Lasst es Euch schmecken!

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Und ich spüre noch immer Deine Hand, als Du die Meine nahmst und sie ganz fest hieltst. Spüre das Glück in mir, als ich aufschaute und das Strahlen in Deinen Augen sah. Höre, wie Du mir „I love you“ ins Ohr flüstertest, als Du auf meinem Schoß saßt, während wir über die holprigen Straßen fuhren.

Ich öffne morgen noch immer meine Augen und sehe Dich, obwohl Du nicht da bist. Stelle mir vor, wie wir uns wieder minutenlang angucken würden, grinsen, und irgendwann beginnen zu sagen „ich will nicht, dass Du gehst“.  Ich sehe uns noch immer vorm Spiegel stehen, beratend, welche Farbe des Tuches wohl am besten zu meinem Outfit passe. Höre Dich sagen, „nimm Dir einfach ein Tuch von mir, Du bist jetzt meine Schwester“. Spüre Deine Hände, die mir jeden Tag das Tuch um Kopf legten, damit auch ja alles richtig sitzt.

Ich schmecke noch immer Deinen Tee auf meiner Zunge. Der Tee, der nach Geborgenheit schmeckte. Der Tee, der jeden Tag zu einem der schönsten meines Lebens machte. Ich sehe Dich lachen, weil Du mir versucht mit einzelnen Wörtern und Handzeichen etwas zu erklären und ich es wieder nicht verstehe. Ich spüre noch immer Deine Umarmungen, voller Wärme und Zuneigung, wie nur eine Mutter sie geben kann.

Ich höre Dich noch immer, wie Du mit mir redest, und vermutlich gar nicht merkst, dass ich Dich nicht verstehe.  Aber ich höre Dir zu, spende Dir Trost. Reiche Dir Taschentücher, damit Du Deine Tränen nicht ins Kopftuch wischen musst; und wünschte Du könntest mir jetzt welche reichen für meine Tränen.

Mein Bauch schmerzt noch immer, von dem ganzen leckeren Essen, das allein Du gekocht hast. Und er schmerzt von dem vielen Gelächter, wegen Dir. Wegen Deinen vielseitigen Sprachkenntnissen, Deinen beeindruckenden Gymnastikübungen, Deinen unendlich vielen Brüdern.

Ich will wieder mit Dir unterm Sternehimmel tanzen. Dein unschuldiges Kichern hören. Kein Wort mit Dir reden und Dich dennoch mehr als genug verstehen. Dir noch einmal meine liebste Kette umhängen, damit irgendwas von mir bei Dir bleibt. Dich auf meinem Schoß wiegen, Dich in den Schlaf singen.

Ich habe bei jedem Einzelnen ein Stück meines Herzens gelassen und mehr zurück bekommen, als ich je erwarten konnte.

Ich vermisse Euch.

Da Thorsten so einen schönen Bericht über unseren Trip nach Jenin geschrieben hat, möchte ich ihn auch hier bei uns veröffentlichen. Wer mehr von Thorsten lesen möchte, u.a. auch seine weiteren Reiseberichte aus Israel und Palästina, dem sei sein Blog Thorschten’s News Channel wärmstens empfohlen!

Nach verschiedenen kurzen Touren nach Hebron und Nablus wollte ich nun endlich auch einmal nach Jenin kommen – in die Stadt, die vor allem wegen ihrer Rolle während der Zweiten Intifada traurige Berühmtheit erlangte hatte. Vor allem das Flüchtlingslager galt als Hochburg der Hamas und der Al-Aqsa-Brigaden. Von hier aus starteten zwischen den Jahren 2000 und 2003 mindestens 28 Selbstmordattentäter ihre tödliche Mission. Im Jahr 2002 rückte die israelische Armee ein, es gab tagelange Gefechte, zahlreiche Tote und ein Teil des Flüchtlingslagers wurde von israelischen Bulldozern zerstört. Die aktuellste Erwähnung fand Jenin jedoch in dem Film „Cinema Jenin“, der über die Renovierung des gleichnamigen Kinos der Stadt gedreht wurde. Dieses Kino wollte ich auf jeden Fall sehen.

Zusammen mit Ann Cathrin, Chris und unserem palästinensischen Bekannten Wahib, der in Tübingen studiert, machten wir uns mit einem Mietauto auf den Weg nach Norden. Chris und ich stießen von Jerusalem aus am Qalandiya-Checkpoint zu den beiden anderen.

Mit unserem roten Honda fuhren wir dann zunächst in Richtung Nablus. Erstaunlicherweise sollten wir von keinem einzigen Checkpoint aufgehalten werden. Die massiven Betonblöcke säumen zwar noch den Weg und die Straße ist von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen entschleunigt, doch es sind kaum israelische Soldaten zu sehen. Allein einige jüdische Siedlungen liegen links und rechts der Siedlerstraße, die zurzeit größtenteils auch für palästinensische Autos geöffnet ist. Vor einigen Jahren noch gab es stellenweise kein Durchkommen.

Etwa 80 Kilometer liegen zwischen Jerusalem und Jenin. Unser Weg führt uns durch die bergige Landschaft Samarias, vorbei an israelischen Siedlungen und arabischen Ortschaften, durch heiße Täler und vorbei an Olivenhainen. Eine arabische Ortschaft sticht vor allem ins Auge, weil die Einfahrt durch eine Allee aus Palmen erfolgt. Hier stünden 80% der Häuser leer, meint Wahib. Viele Palästinenser würden im Ausland leben und nur einen Monat im Jahr in ihrer Heimat verbringen.

Hinter Nablus machen wir Rast an einem faszinierenden Ort. Direkt an der Straße liegt ein Bachlauf, der zu einer gastronomischen Attraktion ausgebaut worden ist: Man kann hier auf Plastikstühlen im Wasser sitzen, sich die Füße abkühlen, eine entspannte Wasserpfeife rauchen und grillen – sofern man seinen Grill selbst mitgebracht hat. Der Eintritt kostet umgerechnet zwei Euro, die Wasserpfeife ist günstig. Dazu eine Tasse Tee mit Nana. Dann geht es weiter.

Nun sind es nur noch 40 Kilometer nach Jenin. Die Landschaft bleibt hügelig. Erst kurz vor der Stadt kommen weite Felder in Sicht. Hier gibt es große, landwirtschaftlich nutzbare Flächen.

Jenin ist an einem Freitagnachmittag wie ausgestorben. Anders als in Jerusalem sind die Geschäfte geschlossen und der Basar ist leer. Die 36.000 Einwohner zählende Stadt ist ruhig und auch der Verkehr hat Pause.

Auch am Busbahnhof scheint nicht viel los zu sein. Genau gegenüber liegt das zum Cinema Jenin gehörende Guesthouse, in dem wir für eine Nacht unterkommen wollten. Die Atmosphäre ist nicht die spritzigste, aber vielleicht liegt das am Wetter. Wir unterhalten uns mit den Volontären, die allesamt aus Deutschland kommen. Das Kino, dessen mehr oder weniger dramatische Geschichte in dem Film beschrieben wurde, den ich mir vor ein paar Monaten in Tübingen im Kino angesehen hatte, hat kaum Vorstellungen, da niemand von den Einheimischen hingeht. Im letzten Monat hat es ganze 50 Schekel eingenommen, umgerechnet etwa zehn Euro. Nachdem eine Kooperation mit Israel verhindert, abgelehnt und verneint wurde, schien es zunächst bergauf zu gehen. Doch die Uneinigkeiten innerhalb der palästinensischen Führung des Kinos verringerte das Vertrauen der Bevölkerung. Es gab vor ein paar Tagen eine Filmvorführung vor zwei Personen. Wir hätten also zu viert gute Chancen, einen Film zu sehen, meint einer der Volontäre, der wie wir in Tübingen studiert.

Angeregt wurde die Renovierung und Neueröffnung des einzigen Kinos der Stadt, das seit 1987 geschlossen war, von Ismael Khatib, der durch den Film „Das Herz von Jenin“ bekannt geworden war, weil er die Organe seines von israelischen Soldaten erschossenen Sohnes spendete, und von Marcus Vetter, einem deutschen Dokumentarfilmer. In „Cinema Jenin“ wird eindrucksvoll beschrieben, wie lang der Weg zu einem funktionierenden Kino war. Heute wird das Projekt hauptsächlich vom deutschen Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut in Ramallah getragen. Deshalb finden in einem extra hierfür eingerichteten Klassenzimmer im Guesthouse auch Deutschunterricht statt. Die deutschen Volontäre geben darüber hinaus auch Workshops für Kinder, in denen sich alles um das Filmemachen dreht. Leider sind die einzelnen Projekte schlecht mit der Führung abgestimmt – und als vor ein paar Tagen 30 Kinder mitsamt ihrer Eltern auftauchten, waren die Volontäre heillos überfordert, da man sie vorher nicht informiert hatte.

Das Guesthouse bietet Zimmer, in denen aufgrund der Hitze nur die Härtesten der Harten schlafen können. Doch es gibt auch eine Dachterrasse. Ein schattiger Balkon lädt zum Entspannen ein. Er ist mit einer Verkleidung aus dünnen Bambusrohren abgeschottet – gegen die Sonne, aber auch gegen die misstrauischen Nachbarn. Aus dem Film weiß ich, dass das Guesthouse für die Volontäre aus Übersee umgebaut wurde, die bei der Renovierung des Kinos halfen. Die gemeinsame Unterbringung von Männern und Frauen in einem Haus sorgte für Gerüchte.

Unten in der Lobby hängt ein Foto von Juliano Mer-Khamis. Er hat beim Aufbau des Kinos ebenfalls eine wesentliche Rolle gespielt. Seine Mutter, eine Jüdin, hatte im Flüchtlingslager der Stadt das Freedom Theatre gegründet, das er erfolgreich weiterführte. Palästinensischen Kindern sollte so Hoffnung und Perspektiven gegeben werden. Der arabisch-jüdische Künstler wurde am 4. April 2011 von einem maskierten Täter vor seinem Haus erschossen. Nach seinem Tod ging ein Teil der Volontäre vom Cinema Jenin fort. Heute würde Mer-Khamis, der seinen Wehrdienst bei der israelischen Fallschirmbrigade abgeleistet hatte und sich später zu 100 Prozent als Jude und zu 100 Prozent als Palästinenser bezeichnete, dem Projekt eine große Stütze sein. Finanziell wird das Cinema Jenin bis Jahresende noch vom Auswärtigen Amt getragen. Was danach passiert, scheint keiner so recht zu wissen. Bis jetzt ist man nicht gewinnorientiert und es genügt, wenn man auf Null herauskommt.

Unser Nachmittag ist noch nicht zu Ende. Wir essen gut und viel in einem Restaurant, in dem ein Verwandter von Wahib arbeitet. Huhn, Lamm und zuvor eine kaum zu überschauende Vielzahl von Hummus, Salaten und Gemüse, dazu eine kühle Cola. Der Tag war unheimlich heiß und alle sind froh, einen Ort mit Klimaanlage gefunden zu haben. Nach dem Essen begleitet uns ein junger Mann namens Qais zu seinem Arbeitsplatz nördlich von Jenin, einer Open-Air-Imbissbude in einem kleinen Park. Hier genießen wir den zweiten Tee und die zweite Wasserpfeife des Tages, während die Sonne unter- und der Mond aufgeht. Unweit von hier ist die Grenze zum israelischen Staatsgebiet. Hier sitzen wir eine Weile, hören arabische und hebräische Musik, bevor wir mit dem Auto zurück zum Guesthouse fahren und den Tag auf der Dachterrasse ausklingen lassen. Qais will am nächsten Tag mit uns durch Jenin fahren und uns die Stadt zeigen.

Am nächsten Morgen kräht der Hahn. Mehrmals. Und er setzt die Definition für „Morgen“ schon sehr früh an. Doch wir wollen ohnehin früh los. Nach einem kleinen Frühstück mit Hummus und Fool (gekochten Bohnen) treffen wir uns vor der Tür mit Qais.

Heute ist Jenin kaum wiederzuerkennen: Menschen und Autos – aber vor allem Autos – füllen die Straßen. Man betätigt fleißig die Hupe, um sich Gehör zu verschaffen. Wir bahnen uns unseren Weg durch die Stadt. Am Eingang des Flüchtlingslagers zeigt uns Qais eine Statue: Es ist ein Pferd, das aus den Resten eines Rettungswagens gebaut wurde, der von der israelischen Armee bombardiert wurde.

Man kann sogar den Schriftzug „Ambulance“ noch erkennen… – Die Statue steht unweit von Juliano Mer-Khamis‘ schon erwähnten Freedom Theater.

In Jenin scheint es nicht allzu viel zu geben, das man besichtigen könnte. Doch es gibt Fotomotive ohne Ende. Und hier und da findet man Raritäten und Zeugen der Geschichte – auch über den leidigen Nahostkonflikt hinaus. So stößt man neben einem großen Bankgebäude auf ein Denkmal der deutschen Fliegerstaffel, die hier im Ersten Weltkrieg zur Unterstützung der Türken stationiert war. Es erinnert an die Gefallenen, die im Kampf gegen die Briten ihr Leben ließen.

Nach diesem „Schmankerl“ tauchen wir ein in das Marktleben. Tausende von Menschen drängen sich durch die Gassen und Wege. Unter ihnen sind viele israelische Araber, die aus dem Norden nach Jenin kommen, um billig einzukaufen. Die bewachten und unbewachten Parkplätze sind überfüllt. Auffällig viele Mädchen und junge Frauen ohne Kopftuch. Die meisten von ihnen kommen von der anderen Seite des Sperrzauns.

Wir besuchen die Fatima-Khatun-Moschee, die etwa 500 Jahre alt ist, was man ihr aber nicht wirklich ansieht. Innen ist sie außergewöhnlich schlicht. Außerhalb der Gebetszeiten ist sie fast leer. Nur einige alte Männer. Ein altes Grab erinnert an die Gründerin. Ihr Mann war Bosnier und osmanischer Gouverneur von Damaskus. Damals war das Land unter den Osmanen vereint.

Draußen, vor dem Gebetshaus, tummelt sich das Leben. An den Wänden kleben vereinzelt noch Plakate, die an die Märtyrer (oder Terroristen) von damals erinnern, als Jenin noch eine Hochburg des palästinensischen Widerstandes war und Terroranschläge auf israelische Busse täglich vorkamen. Doch im Stadtzentrum gibt es deutlich weniger solcher Plakate als in Nablus, was mich erstaunt. Immerhin hatte Jenin eine andere Stellung als die übrigen Städte. Allgemein spürt man jedoch sehr wenig Knistern in der Luft. Jenin präsentiert sich als eine Stadt wie alle anderen. Touristen sieht man neben den Käufern aus Israel keine, doch es müssen welche da sein. Auch in der Stadtbibliothek, zu der uns unser einheimischer Guide führt, erweckt man den Eindruck, als wären Touristen nichts Ungewöhnliches. Wir werden auf einen Tee eingeladen, nachdem man uns die verschiedenen Räume und Abteilungen der Bibliothek gezeigt hat. Um hierher zu kommen muss man das Treppenhaus mit seinen steilen Stiegen überwinden. Noch ein Stockwerk weiter oben gibt es ein Archiv, wo die Ausgaben dreier Tageszeitungen seit den Achtzigern aufbewahrt werden. Zwei Männer sitzen in einem eigenen Abteil und reparieren alte Bücher.

Das Gebäude wurde wie auch die Schule nebenan von den Türken gebaut. Die Osmanen herrschten in Palästina wie in den gesamten umgebenden Regionen bis 1917, als sie im Zuge des Ersten Weltkrieges von den Briten aus ihrem jahrhundertelangen Herrschaftsbereich zurückgedrängt wurden.

Vom Balkon der Bibliothek kann man die Abu-Bakr-Straße überblicken, die nach dem ersten muslimischen Kalifen benannt ist. Sie ist die Hauptstraße der Stadt. Hier begeben wir uns auch auf den Rückweg zu unserem Mietwagen. Durch die handelsfreudigen Händler und vorbei an hupenden Autos bahnen wir uns den Weg zum staubigen Parkplatz. Wir fahren Qais zurück zu seinem Arbeitsplatz und machen uns dann auf nach Ramallah. Die Fahrt geht durch die gewohnte Landschaft, vorbei an Bergen und über steile Hänge. Das Grün des Nordens nimmt ab, je weiter man nach Süden kommt. Doch genauso verhält es sich auch mit der Hitze. In Ramallah angekommen beginnt es sogar leicht zu nieseln – für eine halbe Minute. Der Himmel ist bedeckt. Und am Abend, als ich schon lange wieder im Jerusalemer Hostel sitze, regnet es dann sogar eine Weile. Doch bevor Chris und ich wieder im Abraham Hostel angekommen waren, mussten wir uns in die lange Schlange vor dem Qalandiya-Checkpoint einreihen. Während man von Betlehem aus mit dem Bus nahezu unbeachtet über die Grenze kommt, muss man hier durchs Drehkreuz gehen, auf das grüne Licht warten, den Gürtel ausziehen und sich durchleuchten lassen. Der gelangweilte israelische Soldat verraucht unterdessen mit seiner Wasserpfeife das Kabuff, in dem er sitzt.

Der Trip hat sich auf jeden Fall gelohnt. Und Jenin hat mir irgendwie gefallen. Es ist eine Stadt wie viele andere im Westjordanland, mit vielen freundlichen Menschen. Doch sie ist kleiner und hat eine dramatischere Geschichte. Und ein Tag reicht sicherlich bei weitem nicht aus, um die Probleme der Menschen, die politischen Strukturen und das Zukunftspotenzial auszukundschaften. Deutlich wird nur, dass Projekte wie etwa das Cinema Jenin noch mehr (oder anders) gefördert werden müssen, da das Vertrauen innerhalb der Bevölkerung noch fehlt. Auch die Stadtbibliothek könnte mit Sicherheit Unterstützung gebrauchen. Bildung ist ein kostbares Gut und schafft Perspektiven für die Zukunft.

Morgen werde ich einen letzten Blick auf Jerusalem werfen und mich dann in Richtung Westen nach Tel Aviv vorarbeiten, um meine letzten Tagen im Land mit einer gezielten Erholungseinheit am Strand verbringen – in der Hoffnung, nicht dem nächsten Sonnenbrand zum Opfer zu fallen.

Adolf kommt immer mit, wenn ich reise. Ich habe ihn nie eingeladen, er mich nie gefragt ob er mit darf. Aber er ist dabei. In Europa, aber vor allem im Nahen Osten.  Irgendwann packt ihn immer jemand auf den Tisch.

„Den Adolf, wie findest Du ihn eigentlich?“, das ist so die Standardfrage, die irgendwann kommt. Manchmal ein bisschen später, manchmal gleich, nachdem die ersten persönlichen Dinge geklärt wurden. Wie heißt Du?  Bist Du verheiratet? Wie alt bist Du? Sprichst Du Arabisch? Magst Du den Adolf?

Nein. Adolf mag ich nicht. Aber ich kann ihn aus meinem Leben nicht weg denken. Darf ich auch nicht.

Wahrscheinlich muss ich ihn dabei haben.

Ich hab schon oft über ihn reden müssen. Nicht nur reden. Ich habe erzählen müssen, was der Adolf wirklich gemacht hat. Hier in Ägypten zum Beispiel.

„Der Adolf, der hat doch die ganzen Juden umgebracht, das war doch gut! Oder nicht?“, das ist die Frage, die immer auf mein „Nein“ folgt. „Nein, das war nicht gut. 6 Millionen Menschen, das ist nicht gut. Nicht mal einer ist gut.“ „Aber es waren doch Juden! Guck Dir an was die Juden mit den Palästinensern machen, das sind schreckliche Menschen. Die lügen und betrügen. Der Adolf, der war ein Guter.“

Ich trage keine Schuld, aber ich trage Verantwortung. Verantwortung, diese Aussagen jedes Mal zu korrigieren. Jedes Mal zu sagen, dass der Adolf kein Guter war. Dass seine Taten und die seiner Gefolgsleute abscheulich waren. Von Konzentrationslagern zu erzählen, Bilder zu zeigen, von Videos zu erzählen, von Nachlässen zu berichten. Zu sagen, dass Juden keine schlechten Menschen sind. Das man Israel als Staat heute gerne auf schärfte kritisieren kann, aber das Juden nicht von Natur aus schlechte Menschen sind. Und jedes Mal klappt es. Ein wenig. Hoffentlich.

Adolf war natürlich auch dabei, als ich in Israel und Palästina war. Israel, das Land, wegen dem alle in der Region den Adolf so mögen.

Erst hatte ich ihn ganz vergessen. Doch dann schaute er mich an. Da in Yad Vashem, blickte er auf mich herunter von der Wand. Ich sah ihn, er sah mich. Und ich dachte: „Na, du auch hier?! Sollte ich mich wundern?“. Ja, und dann gingen wir hindurch, durch diese bedrückende Gedenkstätte. Mit uns diese ganzen israelischen Jugendlichen. Und ich fragte mich, wenn sie mitbekommen, dass ich Deutsche bin, werden sie mich hassen? Wird mir irgendwer Vorwürfe machen? Dabei kann ich doch gar nichts dafür, was der Adolf angerichtet hat. Aber nein, nichts passierte. Niemals passierte etwas dergleichen. Der Adolf, der war halt da. Wurde gelobt und verspottet. Verstehen konnte ich beides nicht.

Einmal, da hat der Adolf es dann doch geschafft. Ich hab wegen ihm geweint. Die Adolf-Sache hat mich in Palästina an meine emotionale Grenze gebracht.

Diesen verallgemeinerten Hasse gegen die Juden konnte ich nie nachvollziehen. Wollte ich auch nicht und will ich auch bis heute nicht. Da weigere ich mich. Aber dort in Palästina bekam ich eine Ahnung. Eine Ahnung, wieso die Palästinenser einfach nur noch bedingungslos und ausnahmslos hassen.

Wenn ein Großteil deiner Verwandten wegen Nichtigkeiten schon im Gefängnis saß oder sitzt, wenn sie gefoltert und geschlagen wurden. Wenn sie erschossen wurden. Wenn deine Rechte missachtet werden, wenn sie deine Bewegungsfreiheit einschränken, wenn sie wahllos Checkpoints eröffnen. Wenn du in die Ferne blickst und Siedlungen siehst, auf einem Stück Land, das eigentlich dir gehört. Wenn sie dich einschließen mit einer meterhohen Mauer. Wenn sie dich zum Menschen zweiter Klasse machen.

Ja, da saßen wir zu dritt. Der Palästinenser, der Adolf und ich. Und ich verstand den Hass. Aber den Adolf triumphieren lassen? Niemals! Und wieder sagte ich: „Der Adolf, der hat 6 Millionen umgebracht und nicht 6.000. Der Adolf, der hat sie auf die unmenschlichste Art und Weise umgebracht und nicht in den Tod gestreichelt, so es mancher zu denken scheint. Der Adolf, der hat unschuldige Menschen getötet. Die Juden, das waren ganz normale Menschen, wie jeder andere.“ „Aber schau, was sie mit uns machen, die Juden.“ Und ich sah es. Und ich sagte, dass das aber nichts mit der jüdischen Religion zu tun hat. Und das man den Holocaust nicht vergleichen kann mit dem Konflikt in Israel und Palästina. Ja, es ist schlimm. Aber ein Vergleich unmöglich. Unangebracht.

Und da saßen wir. Ich hab geweint. Ich verstand ihn. Aber niemals würde ich sagen, dass er recht hat. Niemals.

Ich werde Adolf immer mitnehmen. Und jedem, der mich auf ihn anspricht sagen, was er alles getan hat. Ich werde Bilder zeigen. Ich werde sagen, was für ein Verbrecher er war.

Gratis Konzert in Haifa

Aber da ist der Checkpoint. Ich hätte dich mitgenommen, rüber über die Grenze, die keiner so recht akzeptiert. Ich hätte dich mitgenommen, mit dem Taxi nach Betlehem und von dort nach Jerusalem. Du hättest neben mir gesessen im Bus über den Checkpoint. Sie hätten deinen Pass angesehen und genau begutachtet und mich mit meinem Pass wieder nicht beachtet. Du wärst dabei gewesen, als die Polizei in Jerusalem in unseren Bus einstieg und uns nochmal kontrollierte. Diesmal auch mich. Du hättest mit angesehen, wie sie die Frau, die hinter mir saß, einfach mitgenommen haben. Du wärst mit mir mit der Straßenbahn durch Jerusalem zum Busbahnhof gefahren, um dort den Bus nach Haifa zu erwischen. Hätte ich dich mitgenommen, hättest du mir mein hebräisches Busticket vorlesen können, das sie mir gaben und mich damit allein ließen.

Du hättest neben mir im Bus gesessen, dich mit mir über das WLAN im Bus gefreut. Du hättest mir gesagt, wie normal es ist, dass im Bus Soldaten sitzen und ihre Waffe „aus versehen“ ständig auf ihren Vordermann gerichtet ist. Ich hätte dich mitgenommen, und du wärst mit mir in Haifa angekommen und wir hätten zusammen den Hitzeschock ertragen müssen. Du hättest mir wieder geholfen, weil alles auf Hebräisch geschrieben ist. Du wärst dabei gewesen, als ich erkannte, dass man hier einfach nicht mehr erkennt, ob jemand Muslim, Jude, Christ, Araber, Israeli oder irgendwas anderes ist.

Abendliche Bucht von Haifa

Du wärst bei mir gewesen, als mir bewusst wurde, dass ich ständig zwischen zwei völlig unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen hin und her switche. Du hättest neben mir gelegen am Strand und hättest mit mir die warmen Wellen des Meeres genossen. Du hättest mir übersetzen helfen können, als ich da im Wasser in meinem Bikini stand und mit dem vollverschleierten, badenden Mädchen ins Gespräch kam. Du wärst mit mir abends auf dem Konzert und dem Festival gewesen und hättest mit mir getanzt. Du hättest mit mir auf die Bucht von Haifa geblickt, während ich erkannte, wie absurd doch diese ganze Region ist. Wir hätten uns gemeinsam gefragt, wie man als junger Mensch so ein scheinbar unbeschwertes Leben führen kann, wenn doch tagtäglich Raketen auf einen geschossen werden und ein Krieg droht.

Getränkekarte in einer Bar

Ich hätte dich mitgenommen, in diese israelische Bar, in der das Bier „Nazi“ heißt, weil sie „Franziskaner“ nicht aussprechen können. Du wärst dabei gewesen, während die Gäste in der Bar Holocaust Witze machen und hättest neben mir gesessen, als ich überlegte, ob ich als Deutsche jetzt auch so lauthals lachen darf wie die anderen. Du wärst dabei gewesen, als plötzlich einer vor lauter Freude rief, dass es regnet und wir alle hinaus gingen um die wenigen Tropfen zu genießen und im Sommerregen zu tanzen. 

Ich hätte dich mitgenommen, rüber in diese andere Welt.

Ich hätte dich mitgenommen.
Aber da ist der Checkpoint.

Grafitti am Eingang zum nahezu ausgestorbenen Markt

Sigmar Gabriel war im März in Hebron unterwegs und postete daraufhin auf Facebook: „Ich war gerade in Hebron. Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt.“ Dieser Post löste viel Entrüstung, aber auch Zustimmung aus.

„Ein Apartheid-Regime“ mag vielleicht übertrieben sein, aber über die wirklichen Zustände in Hebron wurde nicht weiter geredet. Es ging hauptsächlich darum, ob ein deutscher Spitzenpolitiker Israels Siedlungspolitik zu scharf kritisieren darf.

Geschlossene Geschäfte. Geisterstadt.

Ich wollte eh über mein Erlebnis an der innerstädtischen Grenze in Hebron schreiben. Heute muss es sein, gerade weil ich heute morgen von dem neu eröffneten Checkpoint vor dem Hebroner Vorort in dem ich wohne so geschockt war. Eigentlich ist dieses Gebiet Zone A, d.h. sie steht unter Palästinensischer Autorität. Aber wenn hier ein Checkpoint hin soll, kommt hier einer hin. Er ist direkt an der Autobahn (die zu einer nahe gelegenen Siedlung führt und die man zu Fuß überqueren muss um zu den Taxis nach Hebron zu gelangen) und überwacht somit die Zufahrt zur Siedlung.

Israelische Flagge im von Israel kontrollierten Bereich

Die Seiten von Hebron, von denen Sigmar Gabriel sprach, habe ich erst kennengelernt, als ich mit zwei Freunden aus Jerusalem zurück nach Hebron gefahren bin. Wir sind in Jerusalem in einen gepanzerten Bus eingestiegen, der nur für Israelis und Touristen ist. Er fährt in die Siedlungen in der Westbank auf dem Weg nach Hebron und macht auch in der jüdischen Siedlung in Hebron halt. Kurz vor Hebron geht es dann durch eine jüdische Siedlung – sauber und rein ist es dort. Eine ganz andere Welt als Hebron selbst. Ein Soldat, mit dem einer von uns im Gespräch war, musste hier aussteigen, weil er 20 Tage Strafdienst wegen einem Vergehen in dieser Siedlung ableisten muss. Sagt schon viel…

Kurz vor der Haltestelle in der Hebroner Siedlung wird ein orthodoxer Jude plötzlich panisch. Er hat Angst, die paar Meter von der Haltestelle zur Ibrahim Moschee, die auch eine Synagoge ist zu gehen. Wir steigen hier auch aus und gehen die Meter bis zum Checkpoint, der auf die muslimische Seite führt zu Fuß. Die Straßen sind wie leer gefegt. Kaum ein Mensch ist auf den Straßen. Vereinzelt ein paar Soldaten, insbesondere vor der Moschee/Synagoge, die genau auf der Grenze steht. 1000 Soldaten bewachen hier 500 größtenteils militante Siedler. Die Geschäfte der Araber wurden geschlossen. Wohnen dürfen sie hier noch, müssen aber immer durch den Checkpoint und werden kontrolliert – im Gegensatz zu uns Touristen. Auf dem Weg sehen wir eine Tour von Breaking the Silence, die wir eigentlich auch mit machen wollten; aber eine englische findet erst nach meiner Abreise statt.

Kurz nach dem Checkpoint im arabischen Teil Hebrons.

Israelische Flaggen säumen vereinzelt den Weg aus dieser Geisterstadt hinein in das lebhafte arabische Hebron. Hier gehen wir durch einen alten Markt, direkt an der Grenze zum jüdischen Viertel. Touristen lassen sich hier scheinbar kaum blicken. Viele Läden haben gar nicht erst auf, Wechselgeld ist Mangelware. Wahib, bei dem ich hier zu Besuch bin und seine Schwester sind mittlerweile zu uns gestoßen und ein kleiner Junge kommt und erklärt uns ein bisschen das Leben hier neben der jüdischen Siedlung. Der Weg an dem die Läden sind, ist von oben mit Gittern und Tüchern abgehangen, um die Händler und Passanten vor Steinen und Müll der Siedler zu schützen, den sie von oben herunter schmeißen. Er führt uns auf ein Dach, von dem aus man einen Checkpoint auf einem anderen Dach sehen kann. Auf dem Dach auf dem wir stehen ist ein Wassertank mit Einschusslöchern. Nicht der erste, der hier zerstört wurde.


In die Moschee am Ende des Markts kommen wir nicht rein. Es sei gerade Gebetszeit und irgendwie würde das Gebet auch ewig dauern. Mein Freund und seine Schwester werden von israelischen Soldaten beschimpft, weil sie ein Palästina Schal um den Hals tragen. Mit dem würden auch sie nicht in die Moschee kommen. Meine zwei deutschen Freunde und ich können rüber zur Synagoge gehen – als mehr oder weniger Christen kommen wir hier rein, nachdem wir auch angegeben haben, dass wir Christen sind.

In der Synagoge sehen wir den Grund, warum sich die wenigen jüdischen Siedler weigern die größte palästinensische Stadt zu verlassen: Hier soll das Grab Abrahams und seiner Frau Sarah liegen. Abrahams Grab kann man sowohl von der Synagoge als auch von der Moschee aus betrachten. Wir sehen ein paar Juden beten, Soldaten, die auch in der Synagoge aufpassen und Möglichkeiten für tapfere israelische Soldaten zu spenden, die Hebron beschützten und Israel verteidigten.

Wir gehen zurück in den muslimischen Teil. Für Juden ist es unmöglich hier rein zu kommen. Und zu gefährlich. Genauso ist es unmöglich für Palästinenser in israelische Siedlungen zu gelangen, oder nach Jerusalem. Dafür brauchen sie eine Genehmigung und um die zu bekommen, einen triftigen Grund, warum sie nach Jerusalem müssen. Meine zwei Freunde können ganz einfach zurück nach Jerusalem fahren. Diesmal mit dem arabischen Bus. Ich bleibe wieder hier in Hebron, mit seinen kaputten einspurigen Straßen, die nicht ausgebaut werden dürfen, auf denen sich aber trotzdem zwei LKWs nebeneinander quetschen müssen. Mit seinem gefährlichen Autobahnübergang und mit seinen „Taxis“ die schonmal ausgebrannt waren, aber immer noch fahren können… und müssen.

Ein Besuch im orthodoxen Viertel in Jerusalem ist, als würde man in eine andere Welt eintauchen. Oder vielleicht ging es nur mir so, weil ich doch alles etwas sehr befremdlich fand.

Die Damen und Herren und auch die Kinder in diesen Straßen sehen sich alle sehr ähnlich. Alle tragen dunkle, lange, bedeckende Kleidung. Die Herren allesamt Hüte, manche sogar aus Fell. Auch die Damen bedecken ihren Kopf aus religiösen Gründen oder tragen eine Perücke. Sieht man nicht oft, so Perücken und entsprechend irritiert sah ich sie an…

Als wir da waren, war es ein Tag vor Yom Kippur, einem der höchsten jüdischen Feiertage. Dementsprechend gab es ein riesiges Angebot an Dekoration für dieses Fest und die Läden verkauften spezielles Equipment, dass für die Rituale an diesem Tag notwendig ist. Viele waren mit Koffern unterwegs, weil sie zu diesem Fest ihre Familien besuchen kamen. Die Balkone wurden schon für das nächste Fest vorbereitet und Hütten mit Palmblättern als Dach errichtet.

Überall hingen Plakate, die für spezielle Zitronen warben, die für das Fest wichtig sind, oder für Hühner, die man kaufen konnte um all seine Sünden auf sie zu übertragen und sich somit rein zu waschen. Da die Orthodoxen keine Zeitungen lesen, werden Sie über wichtige Neuigkeiten, wie z.B. Todesfälle ebenfalls auf Plakatwänden hingewiesen.

Alles ein wenig anders hier… seht selbst… Eure Ann Cathrin

Da ich jetzt im Hostel in Jerusalem bin und endlich Internet habe, kann ich nun endlich auch mal ein bisschen mehr schreiben über meinen Aufenthalt hier. Morgen ist Yom Kippur, bzw. ab heute Abend. Daher sind alle Geschäfte zu, kein Auto fährt und ich werde genug Zeit haben über die vergangene Woche zu berichten. Auch wenn es ein bisschen durcheinander wird. Ich beginne mit Jerusalem, obwohl ich hier erst den dritten Tag bin.

Ich habe das große Glück, dass Thorsten gerade auch hier ist. Er kennt sich super gut aus und hat mir die Altstadt von Jerusalem mit seinen vielen verschiedenen religiösen Vierteln gezeigt.

Begonnen haben wir mit dem muslimischen Viertel und seinen vielen kleinen Geschäften für Souveniers oder jeglichen religiösen Bedarf. Zum Glück war es an diesem Samstag nicht so voll und wir konnten uns relativ frei bewegen. Als erstes führte Thorsten mich auf das Dach eines Österreichischen Hospiz von welchem wir einen wunderbaren Blick auf die Altstadt hatten…. gerade als der Muezzin die Muslime zum Gebet rief.

An dem Hospiz entlang führt die Via Dolorosa – der letzte Weg den Jesus vor seiner Kreuzigung beschritten haben soll. Er führt steil hinauf zur Grabeskirche und steht an dem Ort, an dem Jesus gekreuzigt und begraben worden sein soll. Dazu aber später mehr.

Wir sind zu erst zur Klagemauer gegangen. Der Eingang dorthin ist mit einer Sicherheitskontrolle versehen, die aber wirklich sehr lasch ist. Vor der Klagemauer waren unglaublich viele touristische Gruppen anwesend, sowie israelische Soldaten auf Ausflug und jüdische Kinder-Gruppen. Der Bereich vor der Klagemauer ist in zwei Bereiche geteilt. Einer für Männer und ein kleinerer für Frauen. Als ich da war, war der Herren-Bereich sehr leer, dafür der für die Frauen sehr voll. Da man sich an so einem heiligen Ort natürlich züchtig anziehen muss, sah man diverse Frauen (vornehmlich aus Ost-Europa) die sich provisorisch am Ober- als auch am Unterkörper mit diversen Tüchern bedeckten um überhaupt zu diesem Ort gelangen zu können. Ich war also nun mitten in dem Gewusel aus Frauen, die an oder vor der Mauer beteten oder ihre Gebete in die Ritzen der Mauer steckten – und ich glaube es war das erste Mal, dass ich Juden live beim Gebet zusah.

Es ging wieder zurück zur Via Dolorosa, auf der christliche Besucher den Leidensweg Jesu nachempfinden. Der schmale Weg ist wirklich voll von Menschen doch Thorsten kannte eine Abkürzung, die scheinbar auch die Mönche kennen, und so konnte ich zwar nicht den Leidensweg Jesu nachempfinden, kam dafür aber schneller hoch zur Grabeskirche. Und auch die Abkürzung war nicht gerade „unbeschwerlich“.

In der Grabeskirche sieht man gleich zu Beginn den Stein auf dem Jesu nach seiner Kreuzigung eingesalbt wurde. Die gläubigen Besucher der Kirche knien vor Ihm nieder und küssen ihn. Für mich alles ein bisschen merkwürdig – vor allem wenn es wieder die provisorisch bedeckten, eigentlich halbnackten Damen machen… In der Kirche sind mehrere christliche Konfessionen ansässig, die in ihren Teilen der Kirche ihren Gottesdienst abhalten. Jeder Teil hat seinen ganz eignen Charme und man merkt, aus welcher Konfession wie viele Besucher kommen. Ein paar Bereiche waren ziemlich leer.

Gleich in der Nähe ist die Omar-Moschee, die Thorsten schon immer mal angucken wollte, aber sie ist nur für Muslime zum Gebet gedacht. Sollte uns aber nicht abhalten, also kurzerhand einen herauskommenden Mann gefragt, ob wir rein können und uns die Moschee angucken dürfen, der hat sofort ja gesagt, sofern ich mich korrekt anziehe. Alles kein Problem, Tüchlein rausgeholt um Kopf gewickelt und rein. Leider eine komplette Enttäuschung für den architektonischen Bewunderer: die Moschee dient wirklich nur zum Beten. Viel zu sehen gab es – ganz besonders im Frauenbereich leider nicht.

Also weiter durch das christliche Viertel und eine kurze Rast einlegen in einem Cafe über den Dächern der Altstadt – wirklich eine traumhafte Aussicht hier. Und das gerade beim perfektem Licht am frühen Abend.

Als nächstes ging es dann ins jüdische Viertel, dass durch einen Krieg erheblichen Schaden genommen hat und dadurch ganz anders, viel moderner aussieht als der restliche Teil der Altstadt. Hier findet man auch Ausgrabungen von Verkehrsstraßen, die die Römer hinterlassen haben. Da es hier etwas weitläufiger ist, ist es nicht ganz zu wuselig wie im arabischen Viertel. Vielleicht lag es auch an der immer später werdenden Stunde, aber dennoch war relativ viel los auf den Gassen und Plätzen, auf denen jüdische Familien den Abend mit ihren Kindern verbrachten.

Zuletzt ging es dann ins armenische Viertel, in dem man nicht wirklich was sieht. Die „Häuser“ sind einfach nur lange Mauern mit einzelnen winzigen Fenstern, hintern denen sich dann die Häuser bzw. Wohnungen verstecken. Eingänge soll, ja muss es geben, ich habe jedoch keinen gesehen…

Als wir aus der Altstadt heraus kamen, sahen wir ein herrliches Panorama über Jerusalem – inklusive Sonnenuntergang und langsam hervorkommender Mondsichel. Ein herrlicher erster Tag in der Heiligen Stadt.


Gestern, also einen Tag später, sind wir dann nochmal in die Altstadt um den Felsendom und die al-Aqsa Moschee, die drittwichtigste Moschee der Muslime zu sehen. Als Tourist kann man sie nämlich nur morgens und zwischen den Gebetszeiten besuchen. Aber diese goldene Kuppel des Felsendoms aus der Nähe zu sehen und die faszinierenden Mosaikarbeiten an der Außenwand zu betrachten ist das frühe Aufstehen und Anstehen auf jeden Fall wert!

 

 

 

Eine Reise nach Israel – Sicherheitstechnisch ein großes Abenteuer – darauf hatte ich mich eingestellt, aber dann doch irgendwie nicht damit gerechnet. Und vor allem nicht, dass es mich so mitnehmen würde.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich mit ein paar meiner Mädels das Wochenende in Frankfurt verbracht habe und kaum schlief. Schon gar nicht in der Nacht vor meiner Abreise. Denn da kam noch hinzu, dass ich an meinem Geburtstag fliegen sollte – um 6 Uhr morgens. Daher blieb uns nichts anderes übrig, als die Nacht durch zu machen, um noch rechtzeitig am Flughafen Basel anzukommen. Denn dort sollte ich laut einer Mail die ein paar Tage zuvor gekommen ist, nicht zwei Stunden sondern aufgrund von Sicherheitschecks drei Stunden vorher eintreffen. Wie man das mit seiner deutschen Tugend bezüglich Pünktlichkeit nun mal macht, sind wir auch früh losgefahren, um rechtzeitig zum Sicherheitscheck da zu sein. Andere wollten sich wohl auch daran halten, nur die Schweizer mit ihrem Flughafen oder die Engländer mit ihrer Airline wollten sich wohl nicht an ihre eigenen Vorgaben halten. Der Check-In machte dennoch erst um 4 Uhr auf. Den schwierigen Sicherheitscheck bestand ich auch mit Bravour. Schließlich konnte ich die Fragen „Ist das Ihr Koffer?“ und „Haben Sie den Koffer selbst gepackt?“ eindeutig mit „ja“ beantworten. Puh – erst Hürde geschafft.

Vom Flug selbst habe ich kaum was mitbekommen, außer dass das Flugzeug wirklich eng war und man die Rückenlehnen nicht verstellen konnte (endlich wollte ich mal keine Rücksicht auf die Person hinter mir nehmen!) und ich nur mit Verrenkungen schlafen konnte. Zum Glück hab ich Pluti extra als Kissen mitgenommen, und neben mir waren Kinder – da konnte man schonmal ein bisschen auf deren Platz rutschen.

Endlich in Tel Aviv gelandet, war ich noch immer völlig verplant. Quasi über 24h ohne wirklichen erholsamen Schlaf hinter mir, schweres Handgepäck und mit hohe Schuhen (aus Gewichts- und Platzgründen mussten die an die Füße) stapfte ich zur Zollkontrolle. Kurz gewartet, Pass vorgelegt und dann ehrlich wie ich bin, erzählt was ich in Israel – und in Palästina – will. Das hat die junge Dame auch alles zur Kenntnis genommen, während sie meinen Pass durchblätterte und die Stempel diverser arabischer Länder betrachtete. Allerdings schien ihr Interesse deutlich auf meinen Besuch bei einem Freund in Hebron zu liegen, bei dem ich die meiste Zeit verbringen wollte. Also Name genannt, vorher ich ihn kenne und wie lange ich plane bei ihm zu bleiben. Alles gemacht – nichts geholfen. Also ab in den Wartebereich für die besonders kritischen Fälle.

Jetzt bekam ich schon ein wenig Angst. Ich hatte schon beim Auswärtigen Amt gelesen, dass es zu Befragungen kommen kann – vor allem wenn man Stempel im Pass hat, die nicht aus Jordanien oder Ägypten sind. Ich hatte einen aus Dubai und Oman und hielt sie eigentlich nicht für sonderlich kritisch. Ich wartete und wartete. Die Türkinnen bekamen relativ schnell ihren Pass zurück. Eine Reisegruppe die scheinbar durch mehrere Länder reisen wollte, hatte wohl auch größere Probleme. Ein Ägypter, wohl Mitarbeiter eines Ministeriums saß auch schon eine Weile dort und ein anderer Araber – wie sich später herausstellen sollte ein Palästinenser mit Israelischem Pass – schien wirklich schon eine Ewigkeit zu warten. Auch ich wartete eine knappe Dreiviertelstunde bis endlich mein Name aufgerufen wurde und ich in ein Hinterzimmer zur Befragung gebracht wurde.

Das Problem waren scheinbar nicht die Stempel, sondern der Besuch in Hebron. Ich musste wieder alles erzählen – diesmal allerdings ausführlicher.  Woher kenne ich ihn, was will ich hier, was studiere ich, welches Semester, wie heißt sein Vater, wann hat er Geburtstag und noch viel mehr. Ich beantwortete ihr alles, gab ihr Telefonnummern und Emailadressen. Wir fanden meinen Freund in der Datenbank, sodass auch sichergestellt werden konnte, dass ich mir keine Person ausgedacht habe. Ich wurde gefragt ob ich meinen Stempel im Pass oder lieber auf einen extra Zettel haben möchte. Extra Zettel bitte – wenn es keine Umstände macht.

Jetzt hab ich es geschafft – dachte ich. Und hoffte, dass der Cousin, der mich abholen sollte noch auf mich wartete. Durch die Zollkontrolle und am Durchgang zur Gepäckabholung Pass mit Zettel und Stempel vorgezeigt. Doch Pustekuchen. Ich solle bitte mein Gepäck holen, es müsse einem Sicherheitscheck unterzogen werden. Jetzt war ich wirklich kurz davor zu explodieren. Haben die nicht gerade schon alles überprüft? Jetzt noch mein Gepäck?? Das wird doch schon standardmäßig überprüft. Ich sollte meinen Koffer holen. Der stand einsam und allein neben dem Gepäckband – jeder hätte ihn mitnehmen können. So gehen sie also mit Koffern von möglichen Kriminellen um? Ich war außer mir. Und dann sollte ich schon wieder warten. Ich glaube die junge Sicherheitsbeamtin sah mir meine Wut förmlich an und brachte mir gleich einen Stuhl – denn Sitzmöglichkeiten gab es auch nicht oder waren besetzt.

Kurz nach mir kam dann auch der Palästinenser, der schon eine Ewigkeit warten musste. Wir wurden in einen Hinterraum bei der Gepäckabholung geführt. Er sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen. Die machen das oft und immer mit ihm.

In dem Zimmer wurde dann mein Gepäck nochmals durchleuchtet. Ich musste wieder durch einen Metalldetektor gehen und vorher meinen Gürtel abgeben. Es piepte wie schon in Basel nicht und die zweite Frau die mit war bat mich zu warten und ging mit meinem Gürtel weg. Wahrscheinlich um ihn auf irgendwelche Rückstände zu untersuchen… In diesem Moment konnte ich nicht mehr. Zufällige Sprengstofftests an meiner Kamera war ich gewöhnt – aber jetzt auch noch meinen Gürtel verdächtigen? Ich fing an zu weinen. Das war alles zu viel. Die Sicherheitsbeamtin fragte was denn los sei und ich sagte ihr ziemlich boshaft, dass ich seit 24 Stunden nicht geschlafen habe, heute mein Geburtstag ist und ich mich wie eine Schwerstkriminelle fühle. Sie guckte, als wäre ihr das gar nicht so bewusst, dass man sich so aufgrund dieser Sicherheitsprozedur fühlt. Wegen dem Geburtstag schien sie aber irgendwie Mitleid zu haben. Ein „Happy Birthday“ huschte ihr – wie allen anderen Leuten die meinen Pass in der Hand hatten – allerdings nicht über die Lippen (Ich frage mich echt, ob die nicht richtig lesen, oder ob es denen egal ist, dass ich Geburtstag habe. Ich war als Geburtstags-Liebhaberin an diesem Tag aber mächtig enttäuscht).

Mit Tränen im Gesicht nahm ich wieder neben dem Palästinenser Platz. Er tröstete mich und sagte, dass er das jedes Mal mitmachen muss. Er kann in jedes Land einreisen – nie Probleme – nur hier; jedes mal die gleiche Prozedur. Wenigstens er gratulierte mir zum Geburtstag und auf meine Angst, niemand könne mehr da sein um mich abzuholen, sagte er nur, dass er in Jerusalem wohnt und mich erst mal dorthin mitnehmen könne. Wenigstens das war geregelt.

Ich wurde gefragt, ob ich dabei sein möchte, während mein Handgepäck gecheckt wird. Ich sagte ja, und nutze gleich die Gelegenheit wutentbrannt meine hohen Schuhe gegen die Ballerinas aus dem Koffer zu tauschen. In meiner Tasche gab es dann wohl auch noch geheimnisvolle Sachen, die sich aber als Ungefährlich rausstellten. Und wir bekamen beide unseren Pass zurück. Ich schaute gar nicht rein – dummerweise – sondern nahm ihn einfach entgegen.

Der Palästinenser nahm meinen Koffer und ging mit mir raus. Ich glaube dort wollten sie ihn schon wieder aufhalten – aber ich habe nicht verstanden was er mit den Zollbeamten bei der Deklaration redete. Jedenfalls durften wir weitergehen. Und da stand zum Glück noch der Cousin – zweieinhalb Stunden hatte er auch mich gewartet mit meinem Namen in der Hand (was ihm wohl unglaublich peinlich war). Er war mit einem Freund da, der Englisch sprach. Sie sprachen noch kurz mit dem Palästinenser der mich begleitete, nahmen mein Gepäck, besorgten mir noch was zu trinken und wir fuhren Richtung Hebron.

Meine ersten Gedanken in Israel waren: hierher komme ich NIE wieder. Ich besuche alles was ich sehen will, damit ich NIE wieder kommen muss. Bisher hat sich das ein wenig gelegt – vielleicht aber auch, weil ich bisher noch keinem Checkpoint oder Grenzkontrolle wieder begegnet bin.

Die Zettel in meinem Pass schaute ich mir erst zwei Tage später an. Der eine war offensichtlich der Stempel, der andere nur auf Hebräisch und Arabisch. Ich gab ihn meinem Freund und fragte was das sein soll. Eine Vorladung zur Polizei. Am nächsten Tag sollte ich mich in Ramallah vorstellen. Der Vater rief die angegebene Nummer an um nachzufragen ob wir auch nach Hebron können, denn nach Ramallah ist es ein umständlicher Weg. Und außerdem wollte er fragen: warum geben die mir sowas? Erstens warum nur auf Hebräisch und Arabisch und zweitens dürften sie das gar nicht, mich bei der Polizei vorladen. Sie hätte sich an mein Konsulat wenden müssen. Wir erreichten niemanden und so fuhren wir am nächsten Tag erst mal zur Polizei nach Hebron. Dort war man genauso verwundert wie wir über meine Vorladung und es stellte sich sehr bald heraus, dass sie gar nicht für mich war, sondern für einen Muhammad – vermutlich der Palästinenser der mich begleitete. Er hätte sich an diesem Tag bei der Polizei vorstellen sollen. Die Polizei aus Hebron sagte in Ramallah Bescheid. Ob der Zettel mit Absicht oder ausversehen in meinen Pass kam, wer weiß das. Ich hoffe nur, dass der nette Muhammad keine Probleme deswegen bekam…