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Seit Monaten rege ich mich schon auf – und das über eine Sache die mich nicht betrifft. Die mich NOCH nicht betrifft.

Worüber ich mich aufrege? Über das Betreuungsgeld oder die „Herdpauschale“. Aber auch über Frauenquoten und fehlende Kita- und Krippenplätze. Noch betrifft mich das alles nicht, aber ich gehöre zu den jungen Frauen, die das wohl ziemlich bald betreffen wird, die mit eventuell halbwegs etablierten Systemen diesbezüglich leben muss. Und daher frage ich mich: warum fragt uns eigentlich keiner nach seiner Meinung? Ich höre und lese immer nur die Meinung von Frauen, jüngstens Mitte 30 und Männern. Was ist aber mit uns jungen Frauen, die das alle betreffen werden?

Ich und alle jungen Frauen meiner Generation sollen nicht nur perfekt ausgebildet sein – gerne Akademikerin mit sehr gutem Masterabschluss wenn nicht sogar Promotion – wir sollen in Führungsetagen wollen, wir sollen Vorstandsvorsitzende werden, Quoten in Führungsetagen aller Art erfüllen und nebenbei noch mindestens zwei Kinder bekommen um damit etwas gegen den Demografischen Wandel zu tun. Neben unserer Führungsposition sollen wir uns natürlich noch die ersten drei Lebensjahre um das Kind kümmern, es dann in die Kita geben, um es dann am Nachmittag selbst zu betreuen. Schön und gut – nur wie soll das gehen?

Ich mache mir schon seit Jahren Gedanken darum, wie meine Zukunft mit Kindern und Job aussehen soll. Meinen Master werde ich voraussichtlich mit Ende 26, Anfang 27 machen um dann hoffentlich direkt ins Berufsleben einzusteigen. Bevor ich ans Kinderkriegen denken sollte, sollte ich erstmal ein paar Jahre Berufserfahrung sammeln, damit ich nicht nur eine Position erreichen kann, die mir gefällt, nein, ich möchte auch nach einer eventuellen Babypause direkt wieder einsteigen und das ist nur möglich, wenn man Beruflich was vorzuweisen hat.

Ist das erste Kind dann mit Anfang 30 erstmal da möchte ich mich sicherlich erstmal eine Weile um mein Kind kümmern. Wie lange diese „Weile“ dann sein wird, weiß ich nicht. Aber wohin mit dem Baby, wenn die „Weile“ nicht so lange gehen soll. Gibt es genug Krippenplätze? Kann man sich auf eine Tagesmutter verlassen? Und macht überhaupt der Arbeitgeber mit, dass ich eventuell flexibler und auch von zu Hause arbeiten möchte und muss um mich um mein Kind zu kümmern? Drei Jahre zu Hause bleiben kann ich mir nicht vorstellen – und auch kein Betreuungsgeld der Welt würde mich dazu bringen. Wie bescheuert ich diese Idee finde, möchte ich hier gar nicht erst ausbreiten. Vor allem setzt es völlig falsche Anreize an junge Frauen und an Gleichberechtigung bzw. Gleichbehandlung mit Männern ist durch ein Betreuungsgeld gar nicht erst zu denken (ja, auch wenn nur von Frauen gesprochen wird, Männer könnten es ja auch bekommen…).

Wie soll ich also als junge Frau mit diesen ganzen Anforderungen klar kommen? Wie soll ich all diese Anforderungen erfüllen und wie kann ich mich selbst verwirklichen? Wird es in fünf Jahren soweit sein, dass Arbeitgeber flächendeckend Verständnis für Frauen und Eltern haben, die sich um ihr Kind kümmern möchten und daher auf Leistung und nicht Anwesenheit im Büro achten? Und kann ich das alles überhaupt mit einer Führungsposition vereinbaren? Lässt es die Gesellschaft zu, dass ich mich für eine Karriere und Kinder entscheide und zwar weniger Zeit mit meinem Kind verbringe als „normale“ Mütter, dafür aber diese Zeit intensiver nutze?

Ich habe wirklich Angst vor alledem. Vielleicht sind es nicht die Anforderungen an mich die mir Angst machen sondern habe ich Angst weil ich zu viel will? Nein, ich glaube nicht. Wir jungen Frauen haben heute so viele Möglichkeiten uns selbst zu verwirklichen, unabhängig und eigenständig zu sein und sollten diese auch nutzen. Dabei sollten wir aber auch nicht auf das Glück verzichten, Mutter von ein paar Kindern zu sein. Und da uns Frauen „die Natur einen Strich durch die Rechnung“ gemacht, aber uns auch das Glück geschenkt hat, Mutter zu werden, müssen wir damit klar kommen, dass wir – mehr als Männer – beides unter einen Hut kriegen wollen und auch müssen.

Und natürlich muss auch zum Abschluss gesagt werden, dass Männer immer mehr Druck ausgesetzt sind. Auch sie sollen den Balanceakt zwischen Karriere und liebevollem Vater meistern, der sich mehrere Monate Elternzeit nimmt und sich intensiver um seine Kinder kümmert.

Ich wünsche mir daher, dass man uns junge Frauen (und auch Männer) mehr anhört, mit unseren Sorgen und Zukunftsängsten. Denn planen kann man heute viel – umsetzen werden wir es müssen. Und ich wünsche mir, dass die Gesellschaft schon bald meine Entscheidung als Frau akzeptiert. Ob sie nun lautet, dass ich nur Karriere mache, nur Mutter bin, oder den Spagat wage und beides vom Leben fordere.

In Tübingen haben wir das Privileg, an einer Uni mit Schloss zu studieren. Und mit „Schloss“ meine ich ein richtiges Schloss mit Türmen und allem drum und daran, welches 1087 das erste Mal erwähnt wurde und somit auf eine lange Geschichte zurückblickt. Einige Fächer, wie z.B. die Ethnologie, haben das besondere Glück, ihre Institute IM Schloss zu haben, was dann zwar bedeutet, dass man fast täglich einen nicht ganz unsteilen Berg hochsteigen muss um seine Seminare und Vorlesungen zu besuche (was vor allem mit schwerer Tasche echt anstrenend sein kann), was aber auch heißt, dass man in wunderbaren Räumlichkeiten lernen kann, von denen aus man einen wunderschönen Blick über Tübingen und Umgebung hat.  Das Schloss und sein Museum (das man als Student umsonst besuchen kann) sind natürlich auch ein Touristenmagnet, weshalb es durchaus sein kann, dass man gerade ein Referat hält und auf einmal verwirrte Japaner im Raum stehen und anfangen, ganz begeistert Photos zu schießen, weil sie denken, dass wir zum Schlossinventar gehören. Auch kommen manchmal große Persönlichkeiten auf das Schloss, z.B.  kam vor ein paar Semestern mal die Prinzessin von Thailand vorbei. Aber meistens sind es dann doch eher Schulklassen aus Italien oder Frankreich.

Im Sommer ist es auf dem Schloss besonders schön. Dann ist der Springbrunnen des Schlossinnenhofes in Betrieb, in dem sich Tauben baden. Der Schlossinnenhof ist allgemein ein wundervoller Ort. Mit seiner Balustrade, die im Übrigen direkt in unser Ethno-Institut führt, verleitet er mich jedesmal zum Träumen. Wie muss es früher gewesen sein, wenn rauschende Feste gefeiert wurden. Wie kamen die Menschen den Hügel hinauf, hat man Hufgeklapper auf dem Kopfsteinpflaster gehört? Wie war die Sicht, als noch nicht alles mit hohen Gebäuden vollgebaut war? Wer hat in den Türmen gewohnt? Waren die Menschen glücklich? Und und und.

Im Sommer blühen außerdem die Blumen vor der alten Sternwarte, die Studenten sitzen draußen im Schatten unter den Bäumen und warten auf die nächste Vorlesung, währen Eidechsen sich entweder sonnen oder aufgescheucht von Mauerspalt zu Mauerspalt huschen. Abends finden „Fledermausführungen“ statt, da es ein großes Weinfass im Schloss gibt, in dem sich Fledermäuse eingenistet haben. Zusätzlich alldem beinhaltet der Schlossgraben eine Bogenschießanlage, an der auch häufig gegrillt wird.

Doch auch wenn es nebelig ist, bin ich sehr gerne auf „meinem“ Schloss. Vor allem wenn man oben ist, und merkt, dass die Wolken so tief hängen, dass man gerade mitten in einer steht. Dann kann man natürlich nicht auf Tübingen schauen. Aber hey, man steht in einer Wolke, wie cool ist das?

Im Schloss wurden auch schon bedeutende wissenschaftliche Fortschritte gemacht, wurde doch 1869 in der Schlossküche (dem heutigen Sekretariat) durch Friedrich Miescher das Nuklein entdeckt. Das gibt einem natürlich ein besonderes Gefühl der Ehre, in diesen wunderbaren Gemäuern studieren zu dürfen. Schade, dass ich mit Ethnologie schon fertig bin. Denn wenn man nicht aufrgund von Veranstaltunen hoch laufen „muss“, kommt man doch seltener in den Genuss der Aussicht und Atmosphäre des Schlosses. Manche Studenten, die z.B. Naturwissenschaften studieren und deren Institute somit fernab des Schlosses liegen, waren sogar noch nie hier oben. Dabei lohnt sich die Anstrengung allemal.

Oder was meint ihr?

Ich glaube, ich tue es schon seit ich Denken kann. Ich prokrastiniere. Pro- was? Ich prokrastiniere – ich schiebe auf. Das Sprichwort „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“, ist mir eher fremd. Ich schiebe gerne auf; obwohl: eigentlich nicht wirklich. Ich hasse mich oft dafür und würde es gerne ändern. Nur was hilft in einem solchen Fall? Ich weiß es nicht. Bücher habe ich schon zuhauf gekauft, gelesen und ins Regal gestellt. Gebracht hat es nichts. Wie viele Prioritäten-Listen ich schon gemacht habe, will ich gar nicht zählen. Ebenso wenig wie viele Pläne. Ich liebe es Pläne zu machen; mit Excel, alles durchkalkuliert und geplant. Aber an der Durchführung haperts gewaltig. Und das schon von der ersten Minute an. Was also tun? Jemand ein Patentrezept?

Ich habe mir heute die Zeit Campus gekauft. Allerdings eher wegen einem Artikel meiner Lieblingsbloggerin Kübra Gümüsay. Den Titel habe ich gar nicht wahrgenommen. Aber er beschäftigt sich genau mit meinem Problem: dem Aufschieben. Also mal rein geschaut. Fängt ja gut an, der Text: „Es gibt vermutlich eine lange Liste von Dingen, die gerade dringender wären, als diesen Text zu lesen. Mit der Hausarbeit anfangen, zum Beispiel. Das Referat vorbereiten.“ Fühlt sich an, als würde der Artikel für mich geschrieben sein. Morgen steht ein Referat an, das ich mehr schlecht als recht vorbereitet habe. Mindestens drei Hausarbeiten warten schon seit Wochen, ja gar Monaten darauf geschrieben zu werden. Die Bücher habe ich schon – Bücher ausleihen macht mir nämlich großen Spaß…

Im Text steht, das Bachelorstudenten gerne überschätzen, wie viel sie eigentlich für die Uni tun. Ich glaube ich tue das auch, wobei mir dennoch leider bewusst ist, dass ich viel zu wenig für die Uni tue. Ich tue lieber andere Sachen. Viel lieber sogar. In den zugehörigen Tipps steht, dass man Protokoll führen soll und aufschreiben, wie viel Zeit man wirklich mit Arbeiten verbringt. Ob das hilft? Ein Selbstversuch wäre es vielleicht mal wert. Auch andere Tipps sehen ganz hilfreich aus, aber ich kenne mich nun schon ein paar Jahre – ob ich mich daran halte? Der erste Tipp wäre nämlich gleich mal, dass man um PUNKT 9 auch in der Bibliothek sein soll, wenn man sich das vorgenommen hat. Nicht eine Minute später. Vornehmen kann man sich viel, aber morgens pünktlich zu sein, wenn man wie ich an Schlaferitis leidet?! Im Bett ist es doch so schön…

Aber nun gut! Die Arbeit läuft nicht davon und selbst für meinen Job habe ich noch einiges zu tun (dieser Blog-Eintrag ich wohl auch reine Prokrastination). Daher werde ich einen erneuten Versuch starten und endlich was gegen das Aufschieben tun. Vielleicht hilft die Zeit Campus ja mit ihren Tipps. Ich werde sie Euch mal verkürzt vorstellen und dann berichten, wie es so läuft:

1. Minuten zählen

Das Gegenteil von Aufschieben ist Anfangen. Vorher drei Fragen klären: wann, wo und wie. Die Anfangszeit sollte auf die Minute eingehalten werden. Wer zehn Minuten durchgehen lässt, schiebt schnell zwei Stunden auf. (wie wahr, wie wahr…)

2. Kleine Schritte machen

Ein Arbeitsplan ist wertlos, wenn er zu vage ist. Besser: Arbeitseinheiten mit konkreten Zielen festlegen. Man sucht also nicht den ganzen Tag irgendwie nach einem Thema für die Hausarbeit, sondern überlegt vorher, wo genau man Informationen finden kann.

3. Die Zeit verdoppeln

Es gilt die 50-Prozent-Regel: Man braucht für alles doppelt so lange wie man anfangs denkt. Wer das bei der Planung berücksichtigt, sorgt dafür, dass er den Plan auch wirklich einhalten kann – und verschafft sich damit jeden Tag Erfolge. (AHA!)

4. Tagebuch führen

Wer protokolliert, wie er arbeitet, kann das eigene Arbeitstempo besser einschätzen: Wie viel Zeit verbringe ich wirklich mit Arbeiten? Und wie viel lediglich mit dem Gedanken daran? Außerdem lässt sich so feststellen, wovon man sich gerne ablenken lässt. (Werde ich ausprobieren. Freue mich schon auf meine Excel-Tabelle^^)

5. Grenzen ziehen

Es sollte abends eine feste Erholungszeit geben, in der nicht mehr gearbeitet wird. Viel länger als sechs oder sieben Stunden ist auf Dauer niemand effektiv. (Und wenn die Uni schon 8 Stunden geht?! Hm. Und eigentlich arbeite ich abends gerne. Ob ich einfach mit einer Pause ein den Tag starte? Dann komme ich auch zu nichts.. schwierig schwierig…)

6. Nicht abwarten

Der richtige Moment wird vielleicht nicht kommen – es bringt darum nichts, darauf zu warten, in der richtigen Stimmung, nicht mehr müde oder nichts mehr lustlos zu sein. Lieber die Aufgabe mit dem kleinsten denkbaren Schritt angehen und herausfinden, wo es hakt.

7. Sich selbst belohnen

Wer für die Uni lernt, bekommt nur abstrakte Belohnungen, und auf die muss man außerdem lange warten. Für die Motivation ist es aber wichtig, sich für Anstrengungen auch auf die Schulter zu klopfen. Deshalb: Nach der Arbeit immer kleine Belohnungen schaffen. (Wenn ich mir die nicht auch ohne Arbeit geben würde… Und ja, auf meine letzte Hausarbeitsnote warte ich schon lange.. die könnte ne tolle Belohnung sein…)

Also, ich werde gleich morgen (oder besser jetzt?) starten und Euch berichten, wie es so funktioniert. Vielleicht bringt ja das „drüber schreiben“ was? Würde mich freuen, wenn sich Freiwillige mir anschließen und in den Kommentaren berichten, wie die Tipps so bei Euch wirken! In diesem Sinne:

Eine kleine Liebeserklärung von zwei norddeutschen Mädchen an eine süddeutsche Stadt mit Herz

In Tübingen ist die Welt noch in Ordnung. Das Gefühl kommt zumindest manchmal auf, wenn man an einem warmen Sommerabend am Neckar entlangläuft und die Sillhouette eines Stocherkahnfahrers erblickt, der eigentlich Feierabend hat. Die Touristen sind im Biergarten, sitzen draußen, man hört Gelächter. Doch dieser Stocherkahnfahrer fährt noch eine Runde, alleine. Obwohl er genau das den ganzen Tag über schon gemacht hat, fährt er noch einmal auf und ab bis er schließlich zufrieden den Kahn anlegt. Das ist Tübingen.

Vor allem im Sommer ist Tübingen unbeschreiblich schön. Die Stadt an sich hat eine so besondere Ausstrahlung und eine so zauberhafte Aura, wie sie selten zu finden ist. Vielleicht sind es die vielen, so unterschiedlichen Orte die es hier gibt, die kleinen geheimnisvollen Ecken, die lebhaften Plätze, oder die ruhigen aber kraftvollen Orte in der Natur – mitten in der Stadt.

Tübingen nimmt einen in seinen Bann. Still, heimlich und unbemerkt. Man will weg, aber eigentlich auch nicht und ist man einmal weg, so will man wieder zurück, „nach Hause“, denn hier fühlt man sich so heimisch und geborgen wie an kaum einem anderen Ort. Vielleicht, weil Tübingen so groß und doch klein genug ist, dass man nie alleine ist. Man trifft immer irgendjemanden, den man kennt, wenn man durch die Stadt bummelt. Tübingens Charme geht wohl auch auf seine Bewohner über. Selten sieht man Städte, in denen alle so herzlich, freundlich und fröhlich sind. Und man muss bedenken: viele der Bewohner Tübingens sind Studenten aus ganz Deutschland (und der ganzen Welt) und jeder wird von Tübingen infiziert.

Durch Tübingen zieht sich eine Achse des Trubels. Sie beginnt am Neckar mit der Neckarbrücke, die im Frühjahr üppig mit Blumen geschmückt wird und sie so mit den vielen Menschen auf ihr zu einem bunten Lebensraum macht. Hier trifft man sich, hier flaniert man in Richtung Innenstadt, hier genießt man das wunderschöne Panorama auf Tübingen.

Weiter geht es über die Mühlenstraße die zwischen alten Stadtmauern liegt. Man geht an kleinen, einzigartigen Geschäften vorbei und landet schließlich auf der Wilhelmstraße – der Uni Straße. Sie beginnt mit dem Alten Botanischen Garten, in dem man seine Mittagspause verbringen kann. In der Sonne liegen, Picknick mit Freunden oder Sport machen, hier findet jeder sein Plätzchen.

Schlendert man weiter trifft man auf die wunderschönen alten Uni-Gebäude und natürlich auch auf die Neue Aula, das Hauptgebäude. In dieser Straße wimmelt es nur so von Studenten und wenn man diese Straße entlang läuft, dann umgibt einen ein unglaubliches Gefühl, dass einem allen Lern-Stress nimmt. Ganz anders dagegen in den Semesterferien. Die Stadt wirkt beinahe ausgestorben. Nur in der Universitätsbibliothek findet man fleißige Studenten (und die, die es gern sein würden…) die ihre Haus- oder Abschlussarbeiten schreiben oder für diverse Klausuren lernen.

Eine weitere Spezialität von Tübingen sind …. nennen wir sie „eigenartige“ Menschen. Egal ob sie im Bus lauthals Nummernschilder vorlesen und diese aus ominösen Gründen mit Prominenten in Verbindung bringen, ob sie sich im Park mit Zitronen einreiben, ihre „Muskeln“ spielen lassen und auf Kinderfahrräder durch die Gegend fahren oder ob es sich um das merkwürdige UB-Pärchen handelt, welches sich liebend gerne in voller Lautstärke streitet und über die Schwaben aufregt. Jeder von ihnen hat hier seinen Platz.

Tübingen ist etwas besonderes. Tübingen verursacht Heimweh – nach Tübingen. Tübingen sollte jeder mal sehen. Und lieben lernen. Um uns ist es jedenfalls schon geschehen.





20120601-164238.jpgIslamwissenschaften zu studieren war nie mein Plan. Dennoch bin ich heute mehr als froh über diese Entscheidung. Froh war ich auch, als SPIEGEL ONLINE bei unserer Fachschaft anfragte, ob wir Studenten haben, die sich gerne zu ihrer Studienfachwahl interviewen lassen wollten. Ich meldete mich gerne – wollte ich doch mal erzählen, dass man als angehende Islamwissenschaftlerin auf den Plan haben kann in der freien Wirtschaft Fuß zu fassen.

Dass ich vom SPIEGEL dann zur „Geschäftsfrau mit Gottes Hilfe“ gemacht wurde fand ich noch amüsant. Auch über die kleinen Fehler in meinem Text habe ich getrost hinweg gesehen. Ich war stolz, als er nach gut einem halben Jahr endlich veröffentlicht wurde – auch wenn der Anlass kein schöner war und die Verbindung zu den Terror-Anschlägen von Toulouse eher unpassend gewählt war.

Ich machte mir sorgen über die Kommentare, die auf meinen Artikel folgen würden. Unter dem Artikel selber und auf der Facebook-Seite von SPIEGEL ONLINE. Ich verfolgte sie oberflächlich und war einerseits froh, dass nichts gegen mich persönlich ging, andererseits wieder einmal erschrocken über die vielen selbsternannten Islam-Experten und ihre abstrusen Meinungen zum Islam. Ich kommentierte nichts – ich halte es für zwecklos.

In den letzten Tagen beschloss ich mich mal wieder zu googeln. Reine Vorsichtsmaßnahme, man weiß ja nie. Was ich da entdeckte schockierte mich. Ein Blog namens „Europäische Werte“, der eigentlich nur Islam-Hass schürt kommentierte den Artikel über mich und andere Studenten der Islamwissenschaft. Abgesehen davon, dass der Kommentar unglaublich schlecht geschrieben ist, bin ich entsetzt darüber, wie Menschen es sich anmaßen derart über unsere Studienwahl zu urteilen. Gehört es nicht zu den „Europäischen Werten“ dieser Bloggerin, dass man sein Studienfach frei nach seinem Interesse wählen darf? Ich bin verwirrt…

Was mich allerdings noch mehr verwirrt, nein erbost ist der Rest ihres Blog. Beim Lesen frage ich mich, was für Werte diese Bloggerin überhaupt hat. Wie will jemand, der so eine Hass-Propaganda betreibt überhaupt Werte vertreten können? Eigentlich frage ich mich nur, wie jemand so dämlich sein kann.

Mich interessiert am „rosaroten Islamismus“, dass er nicht rosarot ist. Aber er ist auch nicht schwarz. Mich interessiert was „Islamismus“ wirklich ist, und das nicht alles „Islamismus“ ist. Ich will mehr wissen über die Menschen, die Kultur, die Länder erfahren, die mit dem Islam leben – und das begann schon vor der „Integrationsdebatte“. Ich bin froh mehr über das Thema zu wissen von dem alle meinen alles zu wissen – denn meiner Meinung nach herrscht in Deutschland immer noch eine große Unwissenheit über das Thema „Islam“. Ich habe selber keine rosarote Brille auf und möchte sie auch keinem aufsetzen – aber ich möchte so manchem gern die Brille putzen…