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Gratis Konzert in Haifa

Aber da ist der Checkpoint. Ich hätte dich mitgenommen, rüber über die Grenze, die keiner so recht akzeptiert. Ich hätte dich mitgenommen, mit dem Taxi nach Betlehem und von dort nach Jerusalem. Du hättest neben mir gesessen im Bus über den Checkpoint. Sie hätten deinen Pass angesehen und genau begutachtet und mich mit meinem Pass wieder nicht beachtet. Du wärst dabei gewesen, als die Polizei in Jerusalem in unseren Bus einstieg und uns nochmal kontrollierte. Diesmal auch mich. Du hättest mit angesehen, wie sie die Frau, die hinter mir saß, einfach mitgenommen haben. Du wärst mit mir mit der Straßenbahn durch Jerusalem zum Busbahnhof gefahren, um dort den Bus nach Haifa zu erwischen. Hätte ich dich mitgenommen, hättest du mir mein hebräisches Busticket vorlesen können, das sie mir gaben und mich damit allein ließen.

Du hättest neben mir im Bus gesessen, dich mit mir über das WLAN im Bus gefreut. Du hättest mir gesagt, wie normal es ist, dass im Bus Soldaten sitzen und ihre Waffe „aus versehen“ ständig auf ihren Vordermann gerichtet ist. Ich hätte dich mitgenommen, und du wärst mit mir in Haifa angekommen und wir hätten zusammen den Hitzeschock ertragen müssen. Du hättest mir wieder geholfen, weil alles auf Hebräisch geschrieben ist. Du wärst dabei gewesen, als ich erkannte, dass man hier einfach nicht mehr erkennt, ob jemand Muslim, Jude, Christ, Araber, Israeli oder irgendwas anderes ist.

Abendliche Bucht von Haifa

Du wärst bei mir gewesen, als mir bewusst wurde, dass ich ständig zwischen zwei völlig unterschiedlichen Kulturen und Lebensweisen hin und her switche. Du hättest neben mir gelegen am Strand und hättest mit mir die warmen Wellen des Meeres genossen. Du hättest mir übersetzen helfen können, als ich da im Wasser in meinem Bikini stand und mit dem vollverschleierten, badenden Mädchen ins Gespräch kam. Du wärst mit mir abends auf dem Konzert und dem Festival gewesen und hättest mit mir getanzt. Du hättest mit mir auf die Bucht von Haifa geblickt, während ich erkannte, wie absurd doch diese ganze Region ist. Wir hätten uns gemeinsam gefragt, wie man als junger Mensch so ein scheinbar unbeschwertes Leben führen kann, wenn doch tagtäglich Raketen auf einen geschossen werden und ein Krieg droht.

Getränkekarte in einer Bar

Ich hätte dich mitgenommen, in diese israelische Bar, in der das Bier „Nazi“ heißt, weil sie „Franziskaner“ nicht aussprechen können. Du wärst dabei gewesen, während die Gäste in der Bar Holocaust Witze machen und hättest neben mir gesessen, als ich überlegte, ob ich als Deutsche jetzt auch so lauthals lachen darf wie die anderen. Du wärst dabei gewesen, als plötzlich einer vor lauter Freude rief, dass es regnet und wir alle hinaus gingen um die wenigen Tropfen zu genießen und im Sommerregen zu tanzen. 

Ich hätte dich mitgenommen, rüber in diese andere Welt.

Ich hätte dich mitgenommen.
Aber da ist der Checkpoint.

Ein Besuch im orthodoxen Viertel in Jerusalem ist, als würde man in eine andere Welt eintauchen. Oder vielleicht ging es nur mir so, weil ich doch alles etwas sehr befremdlich fand.

Die Damen und Herren und auch die Kinder in diesen Straßen sehen sich alle sehr ähnlich. Alle tragen dunkle, lange, bedeckende Kleidung. Die Herren allesamt Hüte, manche sogar aus Fell. Auch die Damen bedecken ihren Kopf aus religiösen Gründen oder tragen eine Perücke. Sieht man nicht oft, so Perücken und entsprechend irritiert sah ich sie an…

Als wir da waren, war es ein Tag vor Yom Kippur, einem der höchsten jüdischen Feiertage. Dementsprechend gab es ein riesiges Angebot an Dekoration für dieses Fest und die Läden verkauften spezielles Equipment, dass für die Rituale an diesem Tag notwendig ist. Viele waren mit Koffern unterwegs, weil sie zu diesem Fest ihre Familien besuchen kamen. Die Balkone wurden schon für das nächste Fest vorbereitet und Hütten mit Palmblättern als Dach errichtet.

Überall hingen Plakate, die für spezielle Zitronen warben, die für das Fest wichtig sind, oder für Hühner, die man kaufen konnte um all seine Sünden auf sie zu übertragen und sich somit rein zu waschen. Da die Orthodoxen keine Zeitungen lesen, werden Sie über wichtige Neuigkeiten, wie z.B. Todesfälle ebenfalls auf Plakatwänden hingewiesen.

Alles ein wenig anders hier… seht selbst… Eure Ann Cathrin

Da ich jetzt im Hostel in Jerusalem bin und endlich Internet habe, kann ich nun endlich auch mal ein bisschen mehr schreiben über meinen Aufenthalt hier. Morgen ist Yom Kippur, bzw. ab heute Abend. Daher sind alle Geschäfte zu, kein Auto fährt und ich werde genug Zeit haben über die vergangene Woche zu berichten. Auch wenn es ein bisschen durcheinander wird. Ich beginne mit Jerusalem, obwohl ich hier erst den dritten Tag bin.

Ich habe das große Glück, dass Thorsten gerade auch hier ist. Er kennt sich super gut aus und hat mir die Altstadt von Jerusalem mit seinen vielen verschiedenen religiösen Vierteln gezeigt.

Begonnen haben wir mit dem muslimischen Viertel und seinen vielen kleinen Geschäften für Souveniers oder jeglichen religiösen Bedarf. Zum Glück war es an diesem Samstag nicht so voll und wir konnten uns relativ frei bewegen. Als erstes führte Thorsten mich auf das Dach eines Österreichischen Hospiz von welchem wir einen wunderbaren Blick auf die Altstadt hatten…. gerade als der Muezzin die Muslime zum Gebet rief.

An dem Hospiz entlang führt die Via Dolorosa – der letzte Weg den Jesus vor seiner Kreuzigung beschritten haben soll. Er führt steil hinauf zur Grabeskirche und steht an dem Ort, an dem Jesus gekreuzigt und begraben worden sein soll. Dazu aber später mehr.

Wir sind zu erst zur Klagemauer gegangen. Der Eingang dorthin ist mit einer Sicherheitskontrolle versehen, die aber wirklich sehr lasch ist. Vor der Klagemauer waren unglaublich viele touristische Gruppen anwesend, sowie israelische Soldaten auf Ausflug und jüdische Kinder-Gruppen. Der Bereich vor der Klagemauer ist in zwei Bereiche geteilt. Einer für Männer und ein kleinerer für Frauen. Als ich da war, war der Herren-Bereich sehr leer, dafür der für die Frauen sehr voll. Da man sich an so einem heiligen Ort natürlich züchtig anziehen muss, sah man diverse Frauen (vornehmlich aus Ost-Europa) die sich provisorisch am Ober- als auch am Unterkörper mit diversen Tüchern bedeckten um überhaupt zu diesem Ort gelangen zu können. Ich war also nun mitten in dem Gewusel aus Frauen, die an oder vor der Mauer beteten oder ihre Gebete in die Ritzen der Mauer steckten – und ich glaube es war das erste Mal, dass ich Juden live beim Gebet zusah.

Es ging wieder zurück zur Via Dolorosa, auf der christliche Besucher den Leidensweg Jesu nachempfinden. Der schmale Weg ist wirklich voll von Menschen doch Thorsten kannte eine Abkürzung, die scheinbar auch die Mönche kennen, und so konnte ich zwar nicht den Leidensweg Jesu nachempfinden, kam dafür aber schneller hoch zur Grabeskirche. Und auch die Abkürzung war nicht gerade „unbeschwerlich“.

In der Grabeskirche sieht man gleich zu Beginn den Stein auf dem Jesu nach seiner Kreuzigung eingesalbt wurde. Die gläubigen Besucher der Kirche knien vor Ihm nieder und küssen ihn. Für mich alles ein bisschen merkwürdig – vor allem wenn es wieder die provisorisch bedeckten, eigentlich halbnackten Damen machen… In der Kirche sind mehrere christliche Konfessionen ansässig, die in ihren Teilen der Kirche ihren Gottesdienst abhalten. Jeder Teil hat seinen ganz eignen Charme und man merkt, aus welcher Konfession wie viele Besucher kommen. Ein paar Bereiche waren ziemlich leer.

Gleich in der Nähe ist die Omar-Moschee, die Thorsten schon immer mal angucken wollte, aber sie ist nur für Muslime zum Gebet gedacht. Sollte uns aber nicht abhalten, also kurzerhand einen herauskommenden Mann gefragt, ob wir rein können und uns die Moschee angucken dürfen, der hat sofort ja gesagt, sofern ich mich korrekt anziehe. Alles kein Problem, Tüchlein rausgeholt um Kopf gewickelt und rein. Leider eine komplette Enttäuschung für den architektonischen Bewunderer: die Moschee dient wirklich nur zum Beten. Viel zu sehen gab es – ganz besonders im Frauenbereich leider nicht.

Also weiter durch das christliche Viertel und eine kurze Rast einlegen in einem Cafe über den Dächern der Altstadt – wirklich eine traumhafte Aussicht hier. Und das gerade beim perfektem Licht am frühen Abend.

Als nächstes ging es dann ins jüdische Viertel, dass durch einen Krieg erheblichen Schaden genommen hat und dadurch ganz anders, viel moderner aussieht als der restliche Teil der Altstadt. Hier findet man auch Ausgrabungen von Verkehrsstraßen, die die Römer hinterlassen haben. Da es hier etwas weitläufiger ist, ist es nicht ganz zu wuselig wie im arabischen Viertel. Vielleicht lag es auch an der immer später werdenden Stunde, aber dennoch war relativ viel los auf den Gassen und Plätzen, auf denen jüdische Familien den Abend mit ihren Kindern verbrachten.

Zuletzt ging es dann ins armenische Viertel, in dem man nicht wirklich was sieht. Die „Häuser“ sind einfach nur lange Mauern mit einzelnen winzigen Fenstern, hintern denen sich dann die Häuser bzw. Wohnungen verstecken. Eingänge soll, ja muss es geben, ich habe jedoch keinen gesehen…

Als wir aus der Altstadt heraus kamen, sahen wir ein herrliches Panorama über Jerusalem – inklusive Sonnenuntergang und langsam hervorkommender Mondsichel. Ein herrlicher erster Tag in der Heiligen Stadt.


Gestern, also einen Tag später, sind wir dann nochmal in die Altstadt um den Felsendom und die al-Aqsa Moschee, die drittwichtigste Moschee der Muslime zu sehen. Als Tourist kann man sie nämlich nur morgens und zwischen den Gebetszeiten besuchen. Aber diese goldene Kuppel des Felsendoms aus der Nähe zu sehen und die faszinierenden Mosaikarbeiten an der Außenwand zu betrachten ist das frühe Aufstehen und Anstehen auf jeden Fall wert!