Follow Me

Close

Gott bewahre!
Ok, nein, so schlimm wäre es nun auch nicht.

Bei Farina gehört’s dazu, bei mir ist’s wiedermal nur rum gesponnen…

Mein Konvertieren zum Islam ist komischerweise bei vielen Thema. Wie ich jüngst feststellen musste, sogar bei Leuten, die ich gar nicht wirklich kenne. Da bekomme ich plötzlich mitten auf der Autobahn Glückwünsche übermittelt: „Ich wünsche Dir alles gute für Deinen Weg.“ – Huch? Woher wusste derjenige, dass ich auf der Autobahn bin? Wusste er natürlich nicht. Man sah mich angeblich in der örtlichen Moschee, in der ich mich zum Islam bekannt haben soll. War scheinbar ein anderes Mädchen mit dem gleichen (oder zumindest ähnlichem Namen). Missverständnis geklärt – alles gut. Obwohl das Gerücht wohl noch immer in Tübingen rum schwirrt.

Während ein Großteil meiner Freunde und Bekannten es vermutlich begrüßen würde, wenn ich zum Islam konvertiere, wäre so eine Nachricht für meine Freunde im Norden und die meisten meiner Familie sicher eine Schreckensnachricht. Ich spüre oft bei Gesprächen diese Angst, die Tochter, die Freundin an den Islam zu verlieren. Diese dezente Frage „… aber Du bist doch nicht … oder?“ stellt sich immer öfter. Dazu noch nebenbei die Beobachtungen wenn ich im Norden bin „Isst sie auch noch brav Schweinefleisch und trinkt Alkohol?“. Ich finde es ziemlich ulkig und kann hiermit beruhigen: ja tue ich. Bitte keine Panik.

Diese Angst meiner Familie und Freunde macht mir Angst. Ja, durch mein Studium und meinen Freundeskreis hier in Tübingen beschäftige ich mich unglaublich viel mit dem Islam. Ich mag ihn auch. Nur nicht für mich. Das weiß eigentlich auch jeder. Dennoch ist da bei vielen diese Angst um mich. Doch womit begründen sie sie? Was wäre so schrecklich daran, wenn ich mich entscheiden würde Muslima zu sein? Dass ich dann evtl. ein Kopftuch tragen würde und fünfmal am Tag beten würde? Würde so etwas irgendwas an einem Verhältnis zwischen zwei Menschen ändern? Meiner Meinung nach nicht – nach deren scheinbar schon. Ich verstehe es nicht.

Man hat Angst um mich, ich habe Angst um die anderen. Was veranlasst sie dazu, so eine Angst vor dem Islam zu haben? Wäre es besser wenn ich Katholikin werden würde? Wann ja, warum? In Gesprächen versuche ich immer nach dem Grund zu forschen. Und das einzige was ich erkenne ist blanke Unwissenheit. Vielleicht kommt die Angst daher. Man hat oftmals Angst vor etwas was man nicht kennt.

So wie es ist, bin ich glücklich und zufrieden. Das soll auch erstmal so bleiben. Wenn sich daran irgendetwas ändern soll, dann wird das so passieren; aber ob und wann, dass weiß heute keiner. Ich bin froh, dass man mich hier in meinem Freundeskreis so nimmt wie ich bin. Mit meinen religiösen Ansichten, mit meinem Bedarf an kontroversen Diskussionen über Religionen, aber auch meinem Interesse an der Kultur und Religion von dem Großteil meiner Freunde. Ich bin Ihnen dankbar, dass sie das alles mit machen, mir neue Erkenntnisse und Ansichten offenbaren und mich teilhaben lassen – und das ohne auch nur einmal von mir zu verlangen zu konvertieren. Das ist ihnen wichtig, und das ist mir wichtig. Und so lebe ich mit allen mein wundervolles Studentenleben in Tübingen weiter und bin glücklich – als Kryptomuslimin, wie mich hier so mancher liebevoll nennt. 🙂

– Ann Cathrin

Das letzte Wochenende war einfach perfekt. Ich weiß nicht, ob ich jemals schon ein so schönes Wochenende erleben durfte. Voll sonnendurchfluteter Momente, schöner Musik, leckerem Essen und schönen Menschen. Vielmehr will ich nicht sagen, diejenigen, die dabei waren wissen, was ich meine. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an alle Beteiligten. Es war wunderbar und ich weiß nicht, wie ich euch auch nur einen Bruchteil meiner Dankbarkeit darüber ausdrücken könnte.

Ein Aspekt der Schönheit des Wochenendes war mit Sicherheit das Wetter: Es war richtig sonnig, sodass ich nun sogar einen Kopftuchabdruck auf der Stirn habe (ja, sowas gibt es). Diesen verdanke ich meinem Platz in der Sonne, auf dem ich am Samstag ein paar Stunden mit Freunden und Familie saß und gebannt einer wundervollen Stimme lauschte, die unglaubliche, lebendige Geschichten erzähle. Es handelte sich um die Stimme von Rafik Schami, meinem absoluten Lieblingsautor und einem weiteren Hauptgrund für die Schönheit dieser besonderen Tage. Vor ein paar Wochen hatte ein Freund uns darauf aufmerksam gemacht, dass Rafik Schami nach Tübingen kommen und aus seinem Buch lesen wird. Die Veranstaltung sollte im Rahmen der Gründung des Vereins Schams e.V. (Arabisch für „Sonne“) stattfinden, der sich die „Förderung und Unterstützung von syrischen Kindern und Jugendlichen“ zum Ziel gesetzt hat. So flossen auch die gesamten Eintrittsgelder als Spenden in diesen Topf. Als ich davon erfuhr, konnte ich mein Glück kaum fassen: Ich sollte gleichzeitig Rafik Schami sehen, den Mann, wegen dem ich schon nach Heidelberg fahren wollte, um ihn zu besuchen (ohne dass er davon wüsste, geschweige denn eine Ahnung hätte, wer ich bin), da ihn zu sehen einer meiner großen Träume war, und dann auch noch einen Verein zu finden, der sich diesem Zwecke verschrieben hat und bei dem man womöglich mithelfen könnte? Unglaublich!

Und am Samstag war es dann tatsächlich soweit. Wir saßen ganz vorne in der Sonne. Die Veranstaltung fand im Innenhof des Wilhelmsstifts statt, einem sehr schönen Ort mit toller Atmosphäre und begann mit einem Gespräch zwischen Rafik Schami und Wolfgang Niess über die derzeitige Situation in Syrien und vor allem über die Kinder dort. Ich denke darüber muss ich nicht viele Worte verlieren, die Bilder und Berichte aus Syrien sprechen für sich. Es war auf jeden Fall ein sehr aufschlussreiches und packendes Gespräch, aufgelockert durch die einzigartige Art Schamis.

Anschließend erzählte Rafik Schami einige Geschichten aus seinem Buch „Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte„. Ach was erzählte…er brachte sie zum Leben! Wenn er erzählt wird nämlich alles lebendig, man bekommt Sehnsucht nach Orten, an denen man noch nie war, nach einer längst vergangenen Zeit. Man riecht förmlich die Orangenbäume, wenn er die Damaszener Innenhöfe mit ihren Springbrunnen, Pflanzen, schattigen Plätzchen, Geräuschen und Gerüchen beschreibt… ich kann wirklich jedem nur empfehlen, einmal eine Veranstaltung von Rafik Schami zu besuchen und sich selbst von dem Zauber seiner Stimme, sowie von seiner Herzlichkeit zu überzeugen.

Am Ende, die Zeit verging wie im Fluge, konnte man sich die Bücher noch von ihm signieren lassen und ein paar Worte mit ihm wechseln. Ich war natürlich so aufgeregt, dass ich vergaß, nach dem Verein und Möglichkeiten, sich in diesem zu engagieren, zu fragen. Dafür habe ich jetzt per Email an den Verein direkt angefragt und bin nun sehr gespannt auf die Antwort. Drückt mir die Daumen!

Ich bitte jeden von euch, den Verein Schams e.V. weiter bekannt zu machen und je nach Möglichkeit vielleicht sogar etwas zu spenden. Jeder Cent hilft und kommt auch wirklich bei denen an, die es brauchen und geht nicht in Verwaltungskosten etc. unter!

Ist er nicht toll? Rafik Schami hat so eine unglaubliche Ausstrahlung… aber ich gerate schon wieder ins Schwärmen. Damit könnte ich noch Stunden weitermachen. Ich kann es immer noch nicht ganz begreifen, dass ich ihn wirklich gesehen habe 🙂

Ich stehe an der Kasse im Supermarkt. Vor mir sind noch zwei weitere Personen: ein Mann, der gerade bezahlt und eine Frau, die schon bereit steht, ihre Einkäufe einzupacken. Die Kassiererin verabschiedet sich von dem Mann und wendet sich mir freundlich zu, wohl in dem Glauben, die Waren, die sie jetzt in die Hand nehmen und über die Kasse ziehen will, sind meine. Ich schaue zu der Frau am Ende der Kasse, die Frau schaut auf die Kassiererin, die Kassiererin schaut auf die Ware: 2 Bierflaschen. Beide schauen mich an.
Wir lachen.